Sie haben alle schon langweiligen Präsentationen gelauscht.

Sich vielleicht hier und da verstohlen ein kleines Schlaf-Sabber-Fädchen weggewischt, auf das Handy geschielt, auf das Wetter vor dem Meetingraum oder sich innerlich ganz weit weg geträumt. Wir kennen alle schnarchige Präsentationen. Ich verrate Ihnen, wie Sie dies bei Ihren eigenen vermeiden.

Warum reden Sie überhaupt?

Das ist die erste und wichtigste Frage, die Sie sich stellen dürfen. Warum halten Sie diese Präsentation? Was ist das Ziel? Was möchten Sie erreichen. Einfach nur zu sagen „Ich soll dem Kunden das eben erklären“ reicht nicht aus. Das führt nur zu einer Power-Point-Folien-Schlacht, die kein Kunde mehr sehen will. Überlegen Sie sich, was Sie wirklich erreichen möchten. Vielleicht ist Ihr Ziel, dass Sie den Kunden vom Produkt begeistern möchten. Oder Sie möchten, dass der Kunde Ihnen vertraut. Beides kann zum selben Ergebnis führen: Der Kunde kauft. Und doch sorgen diese beiden Ziele zu völlig unterschiedlichen Präsentationen.

Sagen Sie sich nie klamm und heimlich „So macht es doch jeder“, sondern lieber „was würde ich wissen wollen, wenn ich der Kunde wäre“?

Weniger ist mehr

Dies gilt bei allem:

@Folien: Entweder gar keine nutzen oder nur welche, die Ihre Aussage verstärken. Wenn Sie von einem Weltuntergang sprechen und dann ein Video abspielen, wo die Welt untergeht, dann werden die dramatischen Bilder sicherlich Ihre Aussage verstärken. Aber einfach nur Texte auf eine Folie schreiben, die Sie eh sagen, verwirrt nur. Ihr Kunde kann nicht beides: Lesen und hinhören. Was soll er also tun? Sie sind der Dirigent. Sie entscheiden. Und falls Sie zum Beispiel möchten, dass der Kunde Ihnen vertraut, dann soll er Ihnen sicherlich lieber lauschen, anstatt selbst zu lesen bzw. bei Ihrem betreuten Vorlesen abzuschalten. Hinterfragen Sie jede einzelne Folie.

@Witze: Nichts ist anstrengender als ein Vortragender, der ständig versucht lustig zu sein. Wenn Ihnen etwas einfällt, ist dies gut. Doch lieber einmal einen richtigen Schenkelklopfer erzielen, als zwölf Mal ein müdes Lächeln. Bleiben Sie echt. Und im echten Leben spielen Sie wahrscheinlich auch keine Witzkanone.

@Zeit: Wenn Ihnen ein Zeitfenster von 15 Minuten gegeben wurde, dann planen Sie nur 10-12 Minuten ein. Die meisten Zuhörer freuen sich, wenn die Präsentation früher aufhört als geplant.

@Inhalt: Konzentrieren Sie sich auf die Kernaussage, warum Sie diese Präsentation halten. Brechen Sie den Inhalt auf ein paar simple Sätze herunter. Und danach können Sie die wieder mit gutem Storytelling und Fallbeispielen aufrüsten. Doch diese Kernaussagen liefern Ihnen den roten Faden. Haben Sie den einmal gefunden, bringt Sie bei der Präsentation nichts so schnell aus dem Konzept.

Ein Eindruck, der haften bleibt

Überlegen Sie sich ganz genau, wie Sie aussteigen möchten. Die meisten bereiten den Mittelteil vor, indem Sie viele bunte Power-Point-Folien erstellen bzw. sich von der Marketingabteilung erstellen lassen. Doch am meisten erinnern sich die Zuhörer an den Anfang und das Ende einer Präsentation. Natürlich sind im Mittelteil die wichtigen Informationen und dennoch bleiben Sie lange nicht so haften, wie Einstieg und Ausstieg.

Wenn Sie also Ihren roten Faden gefunden haben, dann überlegen Sie genau, wie Sie daraus einen Einstieg basteln können und was für einen passenden Ausstieg Sie dazu finden. Damit eine Präsentation rund klingt, wäre es schlau, dass Sie am Ende den Anfang noch einmal aufgreifen und weiter führen. Sie entscheiden mit welchem Gefühl, mit welchem Bild die Menschen raus gehen. Das soll bitte nicht „Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit“ sein. Und auch nicht die obligatorische Fragerunde. Wenn Sie bei einem Meeting nämlich kritische Kunden sitzen haben, dann bleiben genau diese skeptischen Bilder als letzter Eindruck haften, ganz gleich wie gut Sie gekontert haben.

Sagen Sie lieber: „Bevor ich zum Ende meiner Präsentation komme … haben Sie Fragen?“ Wenn dann keine Fragen mehr kommen, dann bringen Sie noch einmal Ihr Fazit, die Erfolgsgeschichte oder was auch immer Sie gerne als letzten Eindruck hinterlassen möchten.

Inhalte, die nicht vergessen werden

Jeder Mensch merkt sich Dinge wie selbstverständlich, wenn er diese trocknen Inhalte mit einer Emotion verknüpfen konnte. Deswegen wird gerne mit Humor gearbeitet. Wenn die Menschen herzlich über eine Geschichte lachen, merken sie sich die Inhalte leichter. Deswegen ist es auch wichtig, dass Sie bildhaft sprechen oder meinetwegen auch Bilder auf Power-Point-Folien verwenden, die starke Emotionen auslösen. Schauen Sie sich selbst das Bild an und fragen Sie sich: Berührt es mich?

Und vergessen Sie bitte nicht die bildhafte Sprache. Gerade letztens habe ich einen Vortrag über Innovation gehört. Jetzt lehnen Sie sich mal zurück, denken Sie „Innovation“ und verraten Sie mir, ob Sie innerhalb von Sekundenbruchteilen ein Bild im Kopf hatten. Nein. Natürlich nicht. Würde ich „Hund“ sagen, hätten Sie sofort ein Bild im Kopf. Nun wollen Sie sicherlich nicht über Hunde reden, doch überlegen Sie sich bei Ihren Kernaussagen, dem roten Faden und dem Abschluss, ob Sie auch wirklich bildhaft sprechen. Denn Bilder erzeugen Emotionen und dadurch merken sich die Zuhörer die Inhalte.

„Interne Kommunikation“ erzeugt zum Beispiel im ersten Schritt kein Bild. Wenn Sie aber darüber reden, dass die Empfangsdame genauso Bescheid wissen soll über die Philosophie des Unternehmens wie die oberste Vorstandsetage, dann erzeugen Sie damit eher ein Bild.

Was ist neu?

Blubbern Sie nicht alles runter, was offiziell erwähnt werden soll. Zum Beispiel bei der Unternehmensvorstellung. Erzählen Sie lieber nur das, was neu ist. Einiges was der Kunde noch nicht weiß. Falls Sie ein schönes Mobiltelefon besitzen und sich für das Nachfolgemodell interessieren, möchten Sie doch auch nur erfahren, was die Neuauflage kann. Sie möchten keine generelle Einführung in dieses Handy, welches Sie schon tagtäglich nutzen.

Wenn Sie dies alles berücksichtigen, dann werden Sie bestimmt eine gute Präsentation abliefern. Schöne Beispiele von vielen guten Vorträgen finden Sie übrigens, wenn Sie im Internet bei TED vorbei schauen. Nicht jeder Vortrag ist herausragend, aber die meisten sind es. Dort können Sie sich viele Ideen für Ihre eigene Vortragsweise holen.

Doch vergessen Sie dabei nicht das Wichtigste: Es sollte zu Ihnen passen. Wenn Sie andere nachahmen und dadurch eine Rolle spielen, haben Sie wahrscheinlich schon verloren. Denn Sie sind kein Schauspieler und wollen dies auch nicht sein. Bleiben Sie echt. Bleiben Sie sich treu. Haben Sie Spaß.


Portraitfoto von Gastautorin Isabel Garcia

Foto: @JuliaGrudda

Isabel García ist Rednerin. Mit ihrem Motto „Gut reden kann jeder“ zeigt sie jedermann, wie er sofort besser wirken kann. Sie wirft den Ballast vieler Rhetorikregeln über Bord, ermutigt, den eigenen Weg zu finden, und sorgt so für charmante Meetings, aufregende Präsentationen und kurzweilige Vorträge in deutschen Firmen. Sie ist mehrfache Bestsellerautorin mit einer Gesamtauflage von über 110.000 Exemplaren.

Weitere Infos auf www.ichrede.de

Seit Präsentationen mit dem Mediengespann Notebook und Beamer gestaltet werden, wird das Medium Flipchart immer seltener eingesetzt. Aber gerade das Flipchart bietet einige (leider wenig genutzte) Möglichkeiten, den eigenen Präsentationsauftritt interessant zu gestalten. Dieser Artikel soll Ihnen Mut machen, bei Ihren Präsentationen auch mal das Flipchart als ergänzendes oder gar als zentrales Medium einzusetzen.

Das Flipchart ist einfach und pannenfrei anwendbar:

Das Flipchart ist technisch gesehen ein sehr einfaches Medium. Das Flipchart sieht aus wie ein großer Zeichenblock auf Stelzen. Der Name Flipchart kommt daher, dass man die einzelnen Visualisierungen (Charts) nach hinten oder nach vorne blättern kann (flippen). Es ist in Vortragsräumen oft als Standardausrüstung vorhanden.

Man braucht mit dem Lowtech-Medium Flipchart kaum Pannen zu befürchten, denn es kann kein Strom, keine Projektionslampe und auch keine Software ausfallen.

Außerdem können Sie das Flipchart ohne große Planung oder Vorbereitung recht spontan und kurzfristig einsetzen.

Immer verfügbar – Das Flipchart als Dauermedium:

Ganz besonders eignet sich das Flipchart als sogenanntes Dauermedium, bei dem ein Gedanke oder eine Grafik über sehr lange Zeit im Raum präsent und sichtbar sein soll.

Sie können als Präsentator im Rahmen seiner Präsentation immer wieder auf die am Flipchart sichtbaren Darstellungen zurückgreifen. Wenn Sie das Flipchart zwischenzeitlich für weitere Darstellungen brauchen, können Sie einfach ein schon fertiges Flipchartblatt abtrennen und mit Magneten oder Klebestreifen irgendwo im Raum gut sichtbar befestigen.

Das Flipchart (bzw. ein im Raum aufgehängtes Blatt) drängt sich während der weiteren Präsentation nicht in den Vordergrund (im Gegensatz zum Beamer) – Aber schon mit einem kurzen Hinweis darauf können Sie jederzeit die Zuschauer wieder auf das Medium fokussieren.

Lösen Sie am besten die einzelnen Blätter des Papierblocks schon vor Ihrer Präsentation. Dann können Sie die zu aufzuhängenden Blätter sehr schnell (und ohne Gefahr des Einreißens) Lösen und als Dauermedien einzeln im Raum aufhängen.

Der Präsentator kann während der Präsentation sogar eine ganze Reihe von Flipchartblättern nach und nach im Raum verteilen, auf die er immer wieder flexibel zurückgreifen kann. Dies ist auch der wesentliche Vorteil gegenüber den Medien Tafel und Pinnwand. Denn auf diesen kann man immer nur den aktuellen Anschrieb thematisieren – wenn man neuen Platz benötigt, muss man den bisherigen Anschrieb entfernen. Ein Vor- und Zurückblättern und ein Verteilen im Raum sind bei Tafel und Pinnwand nicht möglich.

Den roten Faden zeigen – Das Flipchart als Strukturgeber (Backbone):

Das Flipchart kann aufgrund seiner Eigenschaft als Dauermedium auch die Funktion eines roten Fadens für die gesamte Präsentation bekommen. Wenn Sie die Gliederung (Agenda) Ihrer Präsentation anstatt in Powerpoint einmal bewusst auf dem Flipchart darstellen, dann hat dies mehrere Vorteile.

Einerseits ist die Gliederung (Agenda) für jeden Zuschauer permanent sichtbar – egal wo Sie sich gerade in Ihrer Präsentation befinden. Die Zuschauer können sich permanent an der allzeit sichtbaren Agenda orientieren.

Andererseits können Sie als Präsentator nach jedem Gliederungspunkt demonstrativ am Flipchart zeigen, wo Sie sich in der Gliederung befinden und welcher inhaltliche Punkt nun als nächstes dargestellt wird.

Dies wirkt besonders gut, wenn Sie hierzu auch noch mit einem mitwandernden Magneten Ihr Voranschreiten auf dem Flipchart symbolisieren. Im Englischen nennt man dieses demonstrative Orientieren an einer immer wiederkehrenden Struktur „Backbone-Methode“, weil hierdurch das Rückgrat (= Backbone) der gesamten Präsentation deutlich sichtbar wird.

Zudem entsteht hierbei auch kurzzeitig immer wieder ein erfrischender Medienwechsel.

Allzeit bereit – Das Flipchart als Spontanmedium:

Das Flipchart ist besonders gut dafür geeignet, spontane Gedanken schnell zu visualisieren. Dadurch können Sie als Präsentator bei Ihren Präsentationen sehr individuell und situativ auf die Interessen, Besonderheiten und Fragen der Zuhörer eingehen.

Aber Sie können nicht nur spontane Gedanken flexibel darstellen. Sie können am Flipchart auch sehr gut eine schon vorab geplante einfache Visualisierung vor den Augen der Zuschauer entwickeln. Oder Sie ergänzen fertig-mitgebrachte Flipchartblätter spontan (oder geplant) mit ergänzenden Worten oder Symbolen.

Richtig zupackend – Das Flipchart als hemdsärmeliges Medium:

Gerade die (scheinbar) spontanen Ergänzungen auf dem Flipchart lassen Sie als Präsentator sehr engagiert und aktiv wirken. Denn Sie reißen sich ja vor dem Zuschauer regelrecht beide Beine aus, wenn Sie am Flipchart immer wieder mal was hervorheben, wegstreichen oder ergänzen. Diesen Effekt kann man noch durch den Einsatz von Magneten steigern: Heben Sie ruhig mal etwas hervor, indem Sie mit einem lauten KLACK einen roten Magneten auf einen wichtigen Punkt auf dem Flipchart heften – oder schieben Sie einen Magnet parallel zu Ihren verbalen Inhalten auf den visuellen Stationen auf dem Flipchart mit.

Nicht trotz, sondern gerade wegen dieser oft unperfekten und hemdsärmeligen Ergänzungen am Flipchart wirken Sie als Präsentator sehr aktiv, engagiert und zupackend. Solch eine Wirkung können Sie mit dem sterilen Klicken auf die Funkmaus kaum erreichen.

Deswegen können Sie mit ein paar wenigen eingestreuten hemdsärmeligen Flipchartsequenzen auch einer einrahmenden Beamerpräsentation insgesamt einen zupackenden Charakter geben. Und Kunden kaufen gerne von Zupackern – gerade wenn es eine langfristige Partnerschaft und das gemeinsame Stemmen von großen Projekten werden soll.

Kaschiert Bewegungsdrang – Nutzen Sie das Flipchart als Bewegungs-Alibi

Viele Präsentatoren müssen sich dauernd bewegen. Sie gehen auf und ab oder machen dauernd fahrige Bewegungen mit den Händen. Obwohl sie dies wissen, fällt es ihnen dennoch schwer, ruhig vor Publikum zu wirken. Das Flipchart ist nun ein hervorragendes Medium, um diesen Bewegungsdrang sinnvoll zu kanalisieren und der Bewegung dadurch ein Alibi und eine vom Publikum akzeptierte Funktion zu verschaffen. Dadurch wird das Zuviel-an-Bewegung ganz einfach „aufgesaugt“, „getarnt“ und dadurch regerecht „kaschiert“.

Wenn man sich beispielsweise einige DIN-A-4-Karteikarten vorbereitet hat, die man nach und nach mit Magneten am Flipchart festheftet, dann ist die dabei ausgeführte Bewegung für das Publikum in Ordnung. Auch ein Blättern durch vorbereitete Flipchartblätter lässt den Bewegungsdrang mit einer sinnvollen Funktion erscheinen. Sich vor Publikum mit Ziel und Funktion zu bewegen wirkt viel besser als beispielsweise dauernd fahrig durch den Raum zu „tigern“.

Hierzu gibt es noch einen interessanten Nebeneffekt: Lampenfieber beruht auf einer hohen Konzentration von Stresshormonen im Körper. Diese erhöhte Konzentration baut man am besten durch körperliche Bewegung ab. Wenn Sie nun zu Beginn Ihrer Präsentation systematisch am Flipchart arbeiten, schaffen Sie sich – und zwar wiederum mit Funktion und Alibi – genau die Bewegungsmöglichkeit, die Ihr Lampenfieber sehr schnell senken wird.

Fördert Bewegung – Nutzen Sie das Flipchart als Bewegungs-Anstoß:

Wir stellen in unseren Seminaren immer wieder fest, dass ein geplanter Flipchart-Einsatz zwei Arten von Präsentatoren sehr viel Hilfestellung gibt:

Einerseits gibt es jenen Präsentator, der vor Publikum keine Gestik macht und dadurch auf das Publikum sehr steif und wenig engagiert wirkt, andererseits der Präsentator, der seine Sprache wenig moduliert und durch diese Monotonie der Sprache sehr wenig mitreißend wirkt.

Beiden Arten von Personen bekommen dann automatisch mehr Bewegung in Ihren Gesamtauftritt, wenn diese schon zu Beginn Ihrer Präsentation solche Phasen planen, bei denen Sie am Flipchart etwas zeigen, anschreiben oder anheften.

Diese geplante Bewegungsnotwendigkeit setzt die Bewegung des Körpers (= Gestik) und auch die Bewegung der Sprache (= Modulation) in Gang. Meist bleiben die Gestik und die Modulation dann über die ganze Präsentation hinweg auch deutlich stärker in Bewegung. Die am Flipchart notwendige Bewegung stößt die anderen Bewegungsbereiche (Gestik + Modulation) stimulierend an.


Portraitfoto von Trainer und Coach Peter MohrPeter Mohr ist Diplom-Pädagoge für Erwachsenen-Pädagogik. Bis 1995 arbeitete er als Luftwaffen-Offizier für das Bundesministerium für Verteidigung. Sein Grundprinzip lautet:  Höchste Qualität durch höchste Spezialisierung.  Daher arbeitet PETER MOHR seit 1995 als absolut spezialisierter Trainer, Speaker und Coach nur zu einem einzigen Thema: „ERFOLGREICH PRÄSENTIEREN“  Peter Mohr hat schon mehr als 1000 Präsentations-Trainings durchgeführt und 15 Bücher und Hörbücher zum Thema ERFOLGREICH PRÄSENTIEREN verfasst. Er gestaltet als ehemaliger Offizier seine Vorträge und Trainings ganz bewusst sehr verschnörkelt und straff  – genauso straff wie ein militärisches Briefing.
Also ganz bewusst gemäß dem Prinzip: JUST INFO – NO TAINMENT.

www.peter-mohr-trainer.de

Podcast: Zahlreiche Tipp und Tricks zum Thema ERFOLGREICH PRÄSENTIEREN erhalten Sie in Peter Mohrs Podcast: https://www.peter-mohr-trainer.de/präsentations-tipps-per-podcast.

„Ich liebe Störungen“ oder „Störungen – Ja bitte!“

Fast jeder, der mit einer Rede, einem Vortrag oder einer Präsentation auftritt, hat Angst vor Störungen. Doch jede Unterbrechung des geplanten Verlaufes birgt auch immer die Chance für Interaktionen mit dem Publikum und damit gleichzeitig eine charmante Möglichkeit zur Individualisierung des eigenen Auftrittes.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit provozierten und unprovozierten Reaktionen und möchte Ihnen zeigen, wie man Störungen willkommen heißt, da sich aus ihnen oft eine sehr individuelle Situation improvisieren lässt. Die Techniken, die ich als Moderator und Keynotespeaker auf der Bühne anwende, werden anhand von Anekdoten erklärt und mit Hilfe verschiedener Tipps trainiert. Am Ende stehen einfach anwendbare Lösungsblöcke, die Sie auf Präsentations- oder Verkaufssituationen anpassen können.

Total spontan – Ich liebe Störungen

Ich stehe auf der Bühne. Alles ist perfekt vorbereitet und das Publikum hängt an meinen Lippen. Ich bin witzig, charmant und auch ein bisschen sexy. Meine Powerpointpräsentation funktioniert und die Zuschauer lachen an den richtigen Stellen. Doch dann passiert es auf einmal: eine Störung, ein Zwischenfall, mit dem niemand rechnen konnte. Einer meiner Zuhörer reagiert nicht so, wie in meinem Kopf vorgesehen. Er wirft meinen Plan über den Haufen und versucht mich, den Präsentationsgott aus dem Konzept zu bringen. Er stellt eine Zwischenfrage, kommt zu spät, geht zu früh, telefoniert, redet mit seinem Nachbarn, knutscht oder benimmt sich einfach nicht so, wie er soll. Das ist ein Gau, ein Supergau, ein Gau-Gau, wie man in der Speaker-Szene zu sagen pflegt.

Ich liebe Störungen oder Unterbrechungen! Für mich sind genau sie das Salz in der Suppe einer guten Präsentation. Denn sie eröffnen mir ungeahnte Möglichkeiten zur Interaktion mit meinem Publikum.

Stellt sich nur die Frage, wie ich aus dieser Situation jetzt wieder herauskomme. Alle im Raum schauen mich an. Sie erwarten einen guten Konter, einen Satz, der sitzt und danach herrscht Ruhe im Karton.

Echte Störung oder nur Nebensache?

Die erste Frage, die ich mir bei jeder “vermeintlichen” Störung stelle, ist immer: Handelt es sich um eine echte Störung oder stört sie nur mich? Denn 95 % aller Störungen sind keine bühnenrelevanten Beeinträchtigungen. Oft bekommt das Publikum überhaupt nichts davon mit.

Ich habe einmal ein Event für einen großen Energieanbieter moderiert. Ungefähr 1000 Gäste saßen im Publikum und meine Auftaktmoderation dauerte circa 45 Minuten. Es lief gut. Die Stimmung war gelöst. Ich hatte den Laden im Griff, wie man so schön sagt.

Nur ganz vorne links quatschten unaufhörlich zwei Männer miteinander – von meiner Anmoderation bis zu meiner ersten Pause. Ich hatte sie immer aus dem Augenwinkel im Blick, schaute sie aber nie direkt an. Die Situation nervte mich kolossal und ich musste große Teile meines Moderationsarbeitsspeichers darauf verwenden, die beiden Herren zu ignorieren. Keinen der anderen 1000 Gäste im Raum schienen sie aber zu stören.

Während ich weiter moderierte, ging ich in meinem Kopf alle möglichen Optionen durch, um diese Störung für mich zielorientiert zu lösen. Spreche ich die Situation direkt an? Schaue ich die beiden an, gebe ihnen einen Fokus und schweige? Kommentiere ich die Situation? Ignoriere ich die Störung einfach? Da die beiden niemanden außer mir zu stören schienen, entschied ich mich für die letzte Option. Ich ignorierte sie bis zu meiner ersten längeren Unterbrechung.

In dieser Pause stürmte ich genervt in den Backstage-Bereich und traf meine damalige Produktionsleiterin, die mich freudestrahlend empfing und meinte: „Läuft doch super bis jetzt”. Ich guckte Sie mit großen Augen an und berichtete leicht angestrengt von den zwei Störern aus der ersten Reihe. Meine Produktionsleiterin blickte mich nur an und sagte: „Oh Ralf, das tut mir leid. Wir haben vergessen, dir zu sagen, dass der Geschäftsführer aus England mit seinem Dolmetscher in der ersten Reihe sitzt. Er übersetzt einfach nur alles, was du sagst.“. Die vermeintliche Störung löste sich also sofort in Luft auf und ich konnte die Moderation entspannt fortsetzen. Meine Moderationsfestplatte war wieder frei für echte Störungen.

Dieses Erlebnis wurde für mich zu einem Schlüsselerlebnis in Bezug auf Störungen. Denn seither stelle ich mir zunächst die Frage, ob diese Störung nur mich stört. Wenn es dem Publikum gar nicht auffällt, dass jemand zu spät kommt oder kurz mit seinem Nachbarn redet, dann hat es mich auch nicht zu stören. Dann registriere ich die Ablenkung zwar, ignoriere sie aber.

Analyse einer Störung

Ich verwende vier verschiedene Methoden, um auf eine Störung zu reagieren. Bei zweien reagieren Sie passiv und bei den anderen beiden gehen Sie in die aktive Reaktion. Starten wir zunächst mit den passiven Methoden.

1. Ignorieren der Störung

Ich habe Ihnen bereits ein Bespiel für das Ignorieren genannt. Die wichtigste Regel beim Ignorieren lautet: Stört das Ereignis nur mich, dann ignorieren, stört es auch andere, dann reagieren.

2. Anerkennen der Störung

Gehen wir einmal von dem Fall aus, dass Gäste zur Ihrer Präsentation zu spät kommen oder früher gehen müssen. Dann sollten Sie diese Störung tolerieren. Tolerieren bedeutet hier: Ich finde diese Störung zwar nicht toll, das steckt ja bereits im Wort, rege mich aber auch nicht darüber auf. Ich kommentiere sie regungslos.

Einen Fall einer offensichtlichen Störung habe ich einmal bei einer Moderation für eine große IT-Firma erlebt. Der amerikanische CEO hielt gerade eine Rede vor über 700 Kunden, als auf einmal im kompletten Saal das Licht anging. Der CEO machte ungerührt weiter. Als nach einer Minute immer noch die ganze Location hell erleuchtet war, kommentierte er das folgendermaßen: “Is someone leaning at the switch panel?”, sinngemäß übersetzt: „Lehnt jemand an den Lichtschaltern?“ Das Ergebnis: großes Gelächter im ganzen Saal. Was hatte der schlagfertige amerikanische CEO gemacht? Er tolerierte die Situation und kommentierte, ohne jemanden dabei persönlich anzugreifen.

Kommen wir nun zu den aktiven Störungen, auf die ich reagieren kann oder möchte. Es gibt Störungen, die unmöglich zu ignorieren sind, oder Störungen, die perfekt ins Programm passen, die man integriert oder bei denen man in die Konfrontation geht. Wieder gibt es zwei Möglichkeiten: Integrieren oder Konfrontieren.

3. Einbinden der Störung

Wichtig vorab: Ich halte das Verbinden oder Integrieren gegenüber dem Konfrontieren für die deutlich bessere Variante. In die Konfrontation würde ich nur bei einer massiven negativen Störung gehen. Dazu ein paar Tipps aus der Sicht eines TV-Warm-Uppers und Comedian.

Zwischen 2003 und 2008 habe ich so genannte Warm-ups für das Fernsehen gemacht. Meine Aufgabe als Warm-Upper war es zum einen, die Studiogäste auf Betriebstemperatur zu bringen, und zum anderen, bei Zwischenfällen und technischen Pannen – es gab viele Zwischenfälle und technische Pannen – weiterhin für gute Stimmung zu sorgen. Ich hatte immer ein klares Konzept, doch es kam jedes Mal anders. Bei meiner Reaktion hielt ich mich dabei immer an den Satz der Psychologin Ruth Cohn: „Jeder Plan muss falsch sein, da nie alle Faktoren bekannt sein können.“

Genauso kann es uns ergehen, wenn wir präsentieren, Vorträge halten oder auf der Bühne stehen. Wir malen uns aus, wie es klappen könnte. Wir planen. Aber es läuft manchmal eben doch anders. Für so einen Fall habe ich Ihnen ein paar Grundregeln oder Erfahrungen aus meiner Zeit als Warm-Upper aufgeschrieben.

Bei Sendungen, die aufgezeichnet wurden, gab es oft Abbrüche, d. h. die Sendung wurde aus verschiedenen Gründen gestoppt. In so einem Augenblick verließen meist der Moderator und die Gäste das Aufnahmestudio, die Kameraleute und Techniker stellten ihren Dienst ein und ich musste für das Publikum überbrücken. Oft wusste ich nicht, wie lange die Unterbrechung dauerte. Das konnten drei oder auch 45 Minuten sein. Meine Aufgabe war es dann, das Publikum bei Laune zu halten, die vermeintliche Störung zu erklären und mögliche negative Stimmungen aufzufangen.

Erinnern Sie sich an den Torfall von Madrid? 1998 beim Champions League Spiel zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund fiel eine Minute vor Anpfiff ein Tor um. Marcel Reif und Günther Jauch waren die Kommentatoren der Übertragung und mussten, ähnlich wie beim Warm-up, einen unbestimmten Zeitraum überbrücken. Der unbestimmte Zeitraum dauerte am Ende 76 Minuten. Marcel Reif stellte später in einem Interview fest: „Günther Jauch rettete mich vor dem medialen Selbstmord.“ Später war es ein Abend voller Anarchie. Denn normalerweise sind Champions League Spiele genauso perfekt durchgeplant wie Ihre Präsentationen.

Der innere Monolog

Hier ein paar Tipps, um Sie vor dem medialen Selbstmord oder dem Freitod auf der Bühne zu retten. Schließlich haben Sie eher selten bei Präsentationen einen so schlagfertigen Kollegen wie Günther Jauch an Ihrer Seite.

Der innere Monolog ist eine Grundtechnik, mit der ich immer gearbeitet habe. Ich beschrieb genau, was im Augenblick geschieht. Wenn zum Beispiel eine durchgebrannte Studiolampe repariert werden musste, begann ich, einen inneren Monolog über die Situation zu führen, inklusive eines Stimmungsbilds. Natürlich hielt ich diesen Monolog laut, so als ob ich Selbstgespräche führte. Ich beschrieb alles genau, wie bei einem Gemälde. Wie die Techniker kommen und sich fühlen, wie sich die durchgebrannte Lampe jetzt fühlt …  Dabei ließ ich mich von meinen Gefühlen in dieser konkreten Situation und von meinen Assoziationen treiben. Meistens kam es dann ziemlich schnell zu Lachern im Publikum. Mit diesen Reaktionen konnte ich dann sofort weiterarbeiten.

Für die Bühne, für Ihre Präsentationssituation, wenn zum Beispiel der Beamer ausfällt, ist mein Tipp: Betrachten Sie sich aus der Vogelperspektive und beschreiben Sie die Situation, wie sie sich gerade fühlen. Sie sind jetzt der Loser. Alles so toll geplant und dann funktioniert der Beamer nicht. Versetzen Sie sich in die Rolle eines Zuschauers und wenn Sie es ganz abgefahren mögen, versetzen Sie sich in die Rolle des Beamers. Fragen Sie sich, wie geht es dem Beamer wohl gerade? „Ich kann die Lampe verstehen, dass sie ihren Geist aufgibt. So toll ist meine Präsentation wirklich nicht …“ Beschreiben Sie die Störung aus Ihrer Perspektive. Das nennt sich Perspektivwechsel und bringt viel Lachen und Spaß in Ihre Präsentation. Und die Zuschauer merken, wie spontan Sie sind.

→ Der Tipp des Warm-uppers heißt also: Integrieren Sie die Störung mit Hilfe eines inneren Monologs.

Storytelling

Impro-Spieler können alles, außer Text lernen. Deshalb gehen sie folgendermaßen mit Störungen um: Es gibt eine Übung, die ich manchmal bei Storytelling-Workshops mit meinen Teilnehmern mache. Sie stehen vorne am Bühnenrand und bewegen sich, während sie eine improvisierte Geschichte erzählen, nach hinten. Auf dem Boden liegen verschiedene Gegenstände. Die Aufgabe lautet, die auf dem Boden liegende Gegenstände in die Geschichte zu integrieren. Wenn ich diese Übung erkläre, ist die typische Reaktion: „Das kann ich nicht, improvisieren und dann auch noch unerwartete Begriffe einbauen.“ Sobald meine Teilnehmer es dann ausprobieren, flutscht es und sie ernten viel Applaus und Gelächter im Publikum. Die Leute sind begeistert darüber, wie kreativ die Spieler doch die verschiedenen vorgegebenen Wörter in die Geschichte einbauen.

Ein typischer „Impro-Zwischenfall“ wäre ein aufgedrehtes Publikum, das auch während der Szenen weiterhin Vorschläge dazwischenruft. Ich baue diese Vorschläge sofort in die Szene ein. Wenn das dann doch einmal zu anstrengend wird, dann kommentiere ich mit dem Satz: „Heute höre ich permanent Stimmen in meinem Kopf.“. Die typische Reaktion darauf ist Lachen und danach herrscht meist Ruhe.

→ Der Tipp des Impro-Spielers laute also: Integrieren Sie die Störung, in dem Sie sie aktiv in Ihre Präsentation oder Gesprächsführung einbauen.

Einen letzten Tipp habe ich an dieser Stelle noch für Sie: Probieren Sie einfach alles einmal aus – sagen Sie „Ja bitte“ zu ungewollten Störungen und nutzen diese, um sich Ihrem Kunden individuell und spontan zu präsentieren. Denken Sie dabei an John Lennon, denn  “Life is what happens to you while you are busy making other plans”. Lassen Sie Sie sich nicht von vermeintlichen Störungen aus dem Konzept bringen, sondern machen daraus vielleicht sogar einen charmanten Twist, der Sie bei dem Kunden positiv in Erinnerung bleiben lässt.

Beitragsbild: psdesign1 – stock.adobe.com


Ralf SchmittSeit gut 15 Jahren arbeitet Ralf Schmitt als Moderator, Trainer und Keynote-Speaker. Dabei begeistert er sein Publikum jedes Mal vor allem mit einer ausgewogenen Mischung aus fachlicher Kompetenz und feinem Humor. Die Besonderheit seiner Auftritte liegt in der Interaktion mit dem Publikum – sowohl bei der Keynote als auch bei der Moderation. Da er diese beiden Tätigkeiten auch sehr gerne verbindet, ist er eigentlich ein „KeyMode-Speaker“. In seinen Vorträgen gibt er seinem Publikum ein „Mindset für eine flexible Zukunft“ an die Hand. Denn Flexibilität und Spontaneität liegen dem Bühnenprofi, dessen Wurzeln im Impro-Theater liegen, im Blut. Er ist Geschäftsführer der Impulspiloten GmbH und berät gemeinsam mit seinem Team seine Kunden in Sachen Veranstaltungsdramaturgie und Bühnenprogramm.

Ralf Schmitt ist Autor der Bücher „Ich bin total spontan, wenn man mir rechtzeitig Bescheid gibt“ und „ Ich bin total beliebt, es weiß nur keiner“ und er ist Vorstandsmitglied der German Speakers Association.

www.schmittralf.de | www.impulspiloten.de

„Soll ich den hellen oder den dunklen Anzug tragen?“ Ein Geschäftsführer fragt dies im Gespräch seine Frau, da er am nächsten Tag bei einer Präsentation punkten muss. Sie empfiehlt ihm den hellen Anzug, weil er ihr damit so gut gefällt: Er erinnert sie mit dem Anzug an ihren letzten Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff. Hätte sie zu dem Zeitpunkt mehr Ahnung von Wirkungsgeheimnissen der richtigen Kleidung bei Präsentationen gehabt, hätte sie ihm diesen Anzug nicht empfohlen.

Ein weiteres Beispiel ist eine junge Expertin für Kommunikation, die ihren ersten Vortrag auf einem Frauenkongress hält und sich für ihr Lieblingsoutfit entscheidet: Die ärmellose weite Bluse die bis zur Mitte ihres Oberschenkels geht, vorne mit großem Totenkopf drauf und eine silberfarbene Leggings dazu. Ganz nach dem Motto: Ich muss mich ja wohlfühlen – das bin ich.

Der eine fragt den Partner, der andere sein Gefühl. Meistens geht das leider schief, wenn Sie die Wirkungsgeheimnisse in Präsentationen und auf der Bühne nicht kennen. Leider erzielte der Mann mit dem hellen Anzug nicht die Wirkung die er sich wünschte, er wirkte farblos und übermittelte wenig Status. Die Dame bekam eine sehr schlechte Bewertung auf Grund ihres Outfits und ihre Kompetenz rückte in den Hintergrund. Schade eigentlich, dass beide durch Unwissen wichtige Punkte verschenkten.
Kleidung kann Ihre Botschaft unterstreichen oder schmälern. Denn der bekannte Spruch „Kleider machen Leute“ gilt auch heute noch und kann Sie auf dem Weg zum Erfolg weiterbringen.

Jedoch gibt es auch viele Leute, die die Kleiderwahl nicht dem Zufall lassen und sich in der Kleiderauswahl beraten und coachen lassen. Sie unterstützen ihr Vorhaben durch ihre Kleidung und sind mit ihrer daraus resultierenden Wirkung erfolgreich.

Die Erwartungshaltung ist gross

Ich habe viele Redner und Rednerinnen mit Top-Themen gehört, bei denen die Kleiderperformance zu wünschen übrig ließ. Aus welchen Gründen auch immer, sie mussten sich mehr anstrengen, um zu überzeugen und manchmal ging der Schuss wirklich nach hinten los und kaum jemand sprach über ihre Inhalte, sondern nur über das unpassende Outfit. Von Ihnen wird adäquate Kleidung, passend zu Ihrem Image und Ihrer Persönlichkeit erwartet. Sonst kommt das Gefühl hoch: Da stimmt was nicht!

Ich erinnere mich noch an einen Facebook-Post, in dem eine sehr bekannte Vortragende ihrem Ärger Luft machte, weil ihr Outfit während des Vortrags in den Bewertungen durchdiskutiert und durch den Kakao gezogen wurde, ohne dass Ihre Leistung gewürdigt worden wäre. Menschen sind primär visuell gelenkt. Erscheint ein Outfit für sie nicht adäquat, dann achten sie mehr darauf, als auf den Inhalt.
Ich kann nur sagen: Verschenken Sie mit Ihrer Kleidung keine wertvollen Punkte und kleiden Sie sich so, dass Ihnen Ihr Outfit den roten Teppich für die Inhalte legt.
Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler.

Vor einigen Jahren war die Wahl der Kleidung noch sehr einfach. Es gab zwei Tipps, die man immer anwenden konnte:

1. Kleiden Sie sich nie schlechter als Ihr Publikum
2. Unterstreichen Sie mit entsprechender Kleidung Ihr Image, Ihr Unternehmen und Ihr Produkt

Heute kommt ein 3. Punkt dazu und der heißt: Kleide Dich mit Profil, sei authentisch, zeig wer Du bist und für was Du stehst. Dafür kannst Du auch Deinen Stil brechen. Ob das wirklich immer stimmt, werden wir im Folgenden beleuchten.

Der Zielgruppe entsprechend?

Sind Banker Ihre Zielgruppe, so ist es ganz einfach: Der Anzug/Hosenanzug ist die beste Wahl. Ob es immer eine Krawatte sein muss, das bezweifle ich in manchen Fällen. Fühlen Sie sich damit wohl, sehr gut! Wenn nicht, überlegen Sie genau, ob die Krawatte Ihrer Authentizität schadet. Stellen Sie sich Reinhold Messner, der in einer Bank einen Vortrag halten soll, in Anzug und Krawatte vor. Es passt einfach nicht zu ihm. Eine Kombination aus Sakko, sportlichem Hemd und Hose ist die bessere Wahl. Jedoch muss man auch sagen, dass bei Prominenten so mancher Kleider-Faux-Pas verziehen wird. Es zählt der Bonus der Bekanntheit und überwiegt somit die Wirkung des Outfits. So manch ein Prominenter kann sich jedoch auch nicht darauf verlassen, wie man an negativen Kommentaren in Zeitschriften lesen kann.

Wer vor Technikern in einem IT-Unternehmen spricht, wäre mit einem zu formellen Outfit in Anzug und Krawatte overdressed. Ein sportliche(s) Blazer/Sakko und eine Chinohose (Baumwollhose) dazu und das Outfit ist für diese Zielgruppe perfekt.

Unterschätzen Sie Ihre Zielgruppen nie. So manche haben schon unliebsame Überraschungen erlebt, weil sie glaubten, ihre Zielgruppe zu verstehen und in Folge inadäquat gekleidet waren.Fragen Sie nach, welcher Dresscode im Unternehmen verlangt wird. Vergessen Sie jedoch dabei Ihr Image nie. Ich würde nie Jeans tragen, nur weil mein Publikum Jeans trägt. Ich trage dann ein sportlich-klassisches Outfit, meiner Marke entsprechend, jedoch nicht zu overdressed.

Bei einem Agentur-Pitch, wo man sich um einen Auftrag in der Vorstandsetage einer großen Versicherung bewirbt, ist der Anzug/Hosenanzug wiederum eine gute Wahl. Ein zu lockerer Dresscode könnte mangelndes Interesse für den Auftrag vermitteln.

Ich kann nur sagen: Sind sie lieber zu gut als zu schlecht angezogen. Das ist noch immer die bessere Wahl.

Ihrer Marke entsprechend

Jedes Unternehmen besitzt ein bestimmtes Image und vertritt besondere Werte. Fragen Sie sich, welche Botschaft und welche Werte Sie vermitteln möchten. Sie sollten mit Ihrem Outfit Ihre Marke spiegeln und verkörpern. Wer Luxusartikel oder teure Beratungskonzepte verkauft, sollte sich nicht im Used-Look (dieser Look sieht aus, als wären die Sachen schon lange getragen worden, war aber meist sehr teuer) oder im „ist mir egal Look“ präsentieren – das entspricht nicht dem Markenimage. Wer Präzision verkauft, sollte nicht schlampig gekleidet sein, sondern akkurat und genau. Das heißt in gut geschnittener Kleidung, nicht zu groß, nicht zu klein, nicht zu weit, nicht zu eng und in guter Qualität und gut gebügelt. Wer Kreativität verkauft, ist nicht bodenständig gekleidet. Wer als Autorität wahrgenommen werden möchte, sollte sich auch so kleiden. Das wird von Ihnen erwartet. Sie möchten doch nicht, dass Ihr Gegenüber Ihr Outfit folgendermaßen interpretiert: „Investieren Sie bloß nicht in mich, ich bin das Geld nicht wert.“

Machen Sie eine kleine Umfrage in Ihrem beruflichen Umfeld: Was wird von Ihnen und Ihrer Marke erwartet? Bitten Sie um ehrliche Meinungen dazu und holen Sie sich professionelle Berater mit Know-How für Bühnenauftritte oder Präsentationen mit ins Boot.

Authentisch und zielgruppengerecht

Sich in seiner zweiten Haut wohl zu fühlen, ist oberste Priorität. Wer das nicht tut, wird durch seine Körpersprache sein Unwohlsein transportieren und das ist nicht zu seinem Vorteil. Es gilt eine Verbindung zu schaffen zwischen Authentizität und Professionalität. Erinnern Sie sich an die Geschichte mit der jungen Kommunikationsexpertin auf dem Frauenkongress, die von den Teilnehmerinnen so schlecht bewertet wurde. Sie hat verabsäumt, die Verbindung zwischen Ihrer Wohlfühlkleidung und der Erwartungshaltung zu schaffen. Was wäre die Lösung gewesen? Ein Outfit zu finden, welches formeller als der Totenkopf und die Leggings ist und doch nicht zu formell, dass sie sich nicht verkleidet fühlt. Eine schicke, nicht zu enge Hose mit einem modisch-sportlichem Blazer und einer schönen kragenlosen Bluse drunter, fertig. Und die Kritiker hätten nichts zu meckern gehabt. Denn ein passendes Outfit liegt Ihnen den roten Teppich für die Inhalte. Hat das Gehirn einen ersten schlechten Eindruck gesammelt, so sucht es ständig nach Bestätigung und achtet nicht mehr auf das Gesagte und den Inhalt. Das möchten Sie sicher nicht.

Authentisch anders

Vielleicht kennen Sie Stefan Verra. Der Top-Körpersprache-Experte ist ein wahrer „Körpersprecher“. Er ist ein extrovertierter Österreicher, 155 cm groß, bewegt sich viel und trägt fast immer Jeans und dunkelblaues Shirt auf der Bühne (ab und an auch mal Hemd und Blazer), egal welche Zielgruppe er vor sich hat. Stefan Verra kommt mit einem Feuer und einem charismatischen Auftreten auf die Bühne, sodass die Kleidung zur Nebensache wird. Er schafft es, vom ersten Moment an zu überzeugen. Und das Publikum nimmt ihm das ab – ein Anzug mit Krawatte wäre bei ihm fehl am Platz, weil es nicht seine Marke unterstreicht. Sein Outfit ist absolut authentisch und passt zu seinen Themen. Dabei ist es dann egal, um welche Zielgruppe es sich handelt.

Wer dieses überzeugende charismatische Auftreten nicht hat, bzw. das Image einen lässigen Kleiderstil nicht zulässt, dem sei gesagt: Finden Sie die Verbindung zwischen Ihrem Publikum und Zielgruppe und ihrem persönlichen Stil. Damit liegen Sie immer auf der richtigen Seite.

Aussergewöhnlich auffallend

Wer sich mit einem auffälligen Outfit zur Marke zu machen möchte, muss seinen Kleiderstil sehr gut durchdenken. Wer nur den Stil bricht um aufzufallen, hat noch kein Konzept. Das, was scheinbar mühelos wirkt, ist wohl durchdacht, um als Marke wahrgenommen zu werden. Ohne die passende Persönlichkeit ist ein auffälliges Outfit nicht glaubwürdig.
Thomas Stein, der Musikmanager, hat mir einmal erzählt, wie viel Zeit und Energie bei Fernsehauftritten in die perfekte Bühnenkleidung gesteckt wird, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Nehmen Sie sich im Vorfeld also ausreichend Zeit, um das Outfit zu durchdenken.

Dunkle Farben oder helle Farben, vielleicht auch Buntes?

Je mehr Status Sie repräsentieren möchten, umso dunkler müssen Farben sein. Je heller das Outfit, desto weniger Autorität strahlen Sie aus. Ist der Hintergrund der Bühne dunkel, sollte ihre Kleidung heller gewählt werden und umgekehrt. Es könnte sein, dass man auf der großen Leinwand nur noch Ihr Gesicht und Ihre Hände sieht. Fragen Sie am Veranstaltungsort nach, welche Bühnenverhältnisse vorherrschen. Im Zweifel nehmen Sie einfach ein dunkleres und ein helleres Outfit mit. Umso lebendiger Ihr Thema, umso bunter Ihre Persönlichkeit, desto mehr Farbe ist möglich. Das Thema Buntheit auf der Bühne kann man nicht in zwei Sätzen erklären, das muss bei jedem Menschen genau analysiert werden. Bedenken Sie jedoch immer: Je bunter und auffälliger Ihr Outfit, desto mehr Aufmerksamkeit lenken Sie auf Ihr Äußeres und lenken von den Inhalten ab.

Das sollten Sie beachten:

• Verkleiden Sie sich nicht! Sie müssen sich wohl und sicher auf der Bühne fühlen.
• Wer ständig an seiner Kleidung zupft, wirkt unsicher. Deshalb muss Kleidung perfekt sitzen.
• Kleiden Sie sich Ihrem Alter entsprechend. Versuchen Sie nicht gezwungen jung zu kleiden. Stehen Sie zu Ihrem Alter und unterstreichen Sie Ihre damit einhergehende Lebenserfahrung mit Ihrer Kleidung.
• Wer sich auf der Bühne viel bewegt, sollte Kleidung tragen, die nicht zu sehr einengt.
• Wer zum Anzug Turnschuhe trägt, sollte das nötige Image dafür besitzen und die passende Persönlichkeit und das Auftreten dazu. Sonst wirkt es zu bemüht und kommt nicht gut an.
• Haben Sie immer ein zweites Outfit dabei, sollte mit dem ersten etwas nicht in Ordnung sein. So können Sie es auch vor Ort noch wechseln.
• Fragen Sie sich auch, wo das Mikrophon befestigt wird. Ein Kleid ist meist eher ungünstig.
• Wer ein Hemd trägt, sollte immer auf Langarm setzen.
• Tragen Sie geputzte Schuhe und lange Socken – Kniestrümpfe wären perfekt!
• Fragen Sie kurz vor Ihrem Auftritt ihren Sitznachbarn, ob alles passt.
• Entnehmen Sie alles aus den Sakkotaschen, damit sich nichts beult und achten Sie darauf, dass die Lasche der Sakkotasche nicht halb drinnen und halb draußen ist.
• Auf dem Weg zur Bühne haben Sie den Sakkoknopf geschlossen. Diesen können Sie dann wieder öffnen, wenn Sie sich viel bewegen.
• Vermeiden Sie es, auf dem Weg zur Bühne Ihre Kleidung in Ordnung zu bringen.

Ich wünsche Ihnen, dass Ihre Professionalität und Ihre Persönlichkeit mit Ihrem Outfit sichtbar wird und Sie Ihr Publikum vom ersten Moment an überzeugen.

Denn: „Wer meinem Auge nicht gefällt, dem leihe ich auch nicht mein Ohr“ – Unbekannter Verfasser


Outfit ist Teil Ihrer Bühnenperformance von Elisabeth MotschElisabeth Motsch ist Stil- und Image-Expertin und berät Wirtschaftsunternehmen in Dresscode und Auftritt der Mitarbeiter, passend zur Position und Marke. Ihr fundiertes Know-how verbindet Elisabeth Motsch mit typisch österreichischem Charme und weiblichem Fingerspitzengefühl. Sie gibt ihr Wissen auch als Lehrbeauftrage an der Berliner Steinbeis-Hochschule weiter und ist mehrfache Buchautorin.

www.motsch.at

Buchtipp: Motsch, Elisabeth/Berndt, Jon Christoph: Profil mit Stil: Persönlichkeit als Marke – Kleidung als Statement. Wien 2015.

Wir leben in einer zunehmend digitalisierten Wissensgesellschaft und unsere Marktlandschaft verändert täglich ihr Gesicht. Deshalb ist mentale Fitness und ein gutes Gedächtnis im privaten, vor allem aber im beruflichen Alltag unverzichtbar.Gehirn trainieren durch Denksport

Die gute Nachricht: In jedem von uns steckt ein Superhirn, doch nur die wenigsten wissen es gezielt zu nutzen. Unsere Lern- und Merkfähigkeit hängt nämlich ganz wesentlich davon ab, wie wir Information in Wissen transferieren, neues Wissen mit vorhandenem verknüpfen, wie wir das Zusammenspiel zwischen rechter und linker Gehirnhälfte organisieren und wie fantasievoll und kreativ wir dabei denken.

Die Techniken hierfür gibt es beim Presentation Rocket Day 2017 aus erster Hand. Doch bis es soweit ist, hier ein paar Tipps zum geistigen Warm-up!

„So wie einen Muskel dürfen Sie auch das Gehirn trainieren, wenn Sie Ihre geistige Leistungsfähigkeit erhalten und verbessern wollen.“ Dies ist mittlerweile allgemein bekannt und zahlreiche Möglichkeiten führen zum Ziel. Ich habe Ihnen hierzu ein paar sehr interessante Aspekte und Übungen zum Thema Gedächtnistraining zusammengetragen, die jeder von Ihnen unmittelbar im Alltag anwenden kann.

Gehirnjogging

Wer das Stichwort Gehirnjogging bei Google eingibt, bekommt postwendend rund 5.000.000 Ergebnisse. Wir sind bei einem modernen Schlagwort gelandet, und bei einer ganzen Industrie, die daran verdient. Bestimmt haben Sie schon von Dr. Ryuta Kawashima gehört. Gedächtnis trainieren mittels GehirnjoggingEr ist Professor an der Tohuku Universität in Japan und hat für Nintendo „Brainage“ entwickelt. Bisher wurden alleine davon weit mehr als zehn Millionen Exemplare verkauft.

Ist es aber wirklich so, dass ein Computerspiel, ein Sudoku oder ein Kreuzworträtsel unser Gehirn auf die Sprünge bringt? Das hängt vom Potential ab. Grob gesprochen: Alles was anders ist als das, was Sie bisher gemacht haben, also alles, was Sie aus der Routine herausführt, Ihrem Gehirn neue Reize setzt und es zu neuen Denkmustern zwingt, ist Gehirnjogging. Wenn Sie täglich Ihre Tageszeitung lesen, ist das kein Gehirnjogging. Wenn Sie täglich Ihre gewohnte Arbeit erledigen, und sei diese auf einem noch so hohen intellektuellen Niveau, dann ist das kein Gehirnjogging.

Verändern Sie etwas!

Halten Sie den Text, den Sie lesen möchten, verkehrt herum. Oder erlernen Sie ein Instrument. „Durch Musik wird sowohl die rechte als auch die linke Gehirnhälfte aktiviert. Die rechte durch die Melodie, die linke durch den Takt“, sagt Psychologe Ernst Pöppel. Eine andere Methode Ihr Gehirn durch Musik positiv zu stimulieren: Werfen Sie Ihre Lieblings-CD ein und dirigieren Sie das Orchester! Musik trainiert unsere beiden Gehirnhälften! Trainieren Sie Ihr Gedächtnis mit bildhaftem Denken. Verwandeln Sie Namen spontan in Bilder und kreative Assoziationen.

Eignen Sie sich eine Fremdsprache an. Lernen Sie ein Gedicht auswendig. Nehmen Sie die Mathematikbücher Ihrer Kinder oder Enkelkinder, beginnen Sie mit einfachen Aufgaben. Sie sehen schon, es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, Training für Ihr Gehirn zu betreiben.

Training für das Gehirn

Der Neurobiologe Lawrence C. Katz prägte für seine Erkenntnisse den Begriff Neurobics – Aerobic fürs Gehirn. Und damit ist gemeint: weg von Routinedenken, weg von Routinehandlungen. So kann man auch mit zunehmendem Alter das geistige Niveau halten. Putzen Sie sich als Rechtshänder einmal die Zähne mit der linken Hand. Nehmen Sie einen neuen Weg zur Arbeit. Vielleicht könnten Sie auch familiäre Strukturen insofern durcheinander wirbeln, dass man z. B. die gewohnte Sitzordnung bei Tisch umändert. Der Hausherr, der sich plötzlich auf einem anderen Platz wiederfindet – das kann nicht nur strukturell im Gehirn für Veränderungen sorgen.Gehirn trainieren - Gedächtnis stärken

Auch wenn Sie keine neue Sprache mehr lernen – allein das Anwenden und Umschalten zwischen zwei verschiedenen Sprachen kann Demenzprozesse im Alter um etliche Jährchen verzögern. Das bewies eine Forschungsstudie an der Universität von Toronto.

Also lösen Sie nicht das x-te Kreuzworträtsel, sondern machen Sie Denksport, der Sie wirklich fordert. Oder nehmen Sie all Ihre Lieblingsbücher und lernen deren Anfangssätze auswendig. Die Magie des Anfangs. Die Magie der Neurogenese, der Neuproduktion von Nervenzellen, die Sie damit in Ihrem Gehirn in Gang setzten. Wichtig ist: Gehirntraining ist immer Individualtraining. Nur was uns fordert und neu ist, macht uns stark.

Aktivieren Sie Ihren Geist schon jetzt. Denn ein gut funktionierendes Gedächtnis kann mit den Merktechniken der Gedächtnisweltmeister sich jegliche Art von Wissen schneller und nachhaltig abspeichern. Sichern auch Sie sich den Vorsprung durch Wissen beim Presentation Rocket Day am 10. November 2017 und lernen sie die Merktechniken für ein sensationelles Gedächtnis kennen. Sie werden von sich selbst und Ihrer Merkfähigkeit begeistert sein!

Beitragsbilder: © MEMO-MIND Brainproducts GmbH


So trainieren Sie Ihr Gehirn richtig - Gastbeitrag von Markus HofmannMarkus Hofmann, CSP, ist der wohl inspirierendste und effektivste Gedächtnisexperte Europas und einer der begehrtesten Vortragsredner für Unternehmen aller Branchen. Markus Hofmann ist als Vorstandsmitglied der German Speakers Association (GSA) aktiv und einer von wenigen deutschsprachigen Certified Speaking Professionals weltweit. Neben seiner Tätigkeit als Keynote-Speaker steht er mit der Fachwelt in intensivem Wissens- und Erfahrungsaustausch: u. a. als Direktor des Steinbeis Transfer Instituts „Professional Speaker“, Lehrbeauftragter an der Steinbeis Hochschule Berlin und der Management-Universität St. Gallen sowie als Dozent an der ZfU International Business School. Seit 2014 ist er zudem Träger des Deutschen Weiterbildungspreises. Bekannt wurde er durch die „Schotten-Wette“ bei „Wetten, dass …?“ und das Experten-Forum „Die Erfolgsmacher“ des Nachrichtenmagazins FOCUS.

Mehr Informationen unter www.unvergesslich.de

Sie möchten Markus Hofmann einmal live erleben, Tipps zum Thema Gedächtnistraining von ihm aus erster Hand erhalten, dann kommen Sie zum Presentation Rocket Day am 10.11.2017. Melden Sie sich gleich an. Hier geht es zur Anmeldung.

„Warum erzählst du mir das?“

„Weil ich eingesehen habe, dass ich dir nur helfen kann, wenn ich dir erzähle, was mir vor vielen Jahren geholfen hat, meinen Weg in der Gesellschaft zu finden. Die Geschichte meines Lehrers, wie er seinen Weg gefunden hat.“

So ähnlich hörte sich der Dialog zwischen einem Werkstattmeister und einem jungen Auszubildenden an, als der Auszubildende zum wiederholten Male zu spät kam und Drohungen und Konsequenzen keine Verhaltensänderung herbeigeführt hatten.

Würden Sie jetzt gerne wissen, wie es weiterging? Was der Werkstattmeister erlebt hat? Ob der Auszubildende von da an pünktlich war? Dann sind Sie mittendrin in der Spannung, die Geschichten bei unseren Gesprächspartnern auslösen.

Sie sind eher skeptisch? Was soll eine Geschichte schon ändern? „Wir sind doch nicht in der Märchenstunde. Bei uns zählen Daten, Zahlen und Fakten. Für Geschichten habe ich keine Zeit. Wir sind hier zum Arbeiten. Ja, so blöd werde ich sein und dir eine Geschichte von mir erzählen, damit du sie dann gegen mich verwenden kannst. Meine Geschichten interessieren niemanden.“

Haben Sie bei einer dieser Aussagen innerlich genickt? Dann sind Sie auf dem richtigen Weg. Sie lesen trotz Ihrer Skepsis oder Ihrer schlechten Erfahrung immer noch weiter. Dankeschön und herzlichen Glückwunsch.

Nehmen wir diese Aussagen doch als roten Faden, um zu verstehen, weshalb Geschichten Sie noch erfolgreicher machen, egal, ob Sie mit Kunden sprechen, mit Mitarbeitern, mit Kollegen, mit Ihrem Partner zu Hause oder Ihren Kindern. Geschichten sind ein wichtiger Teil einer erfolgreichen Kommunikation mit Menschen, besonders, wenn diese Menschen etwas tun sollen, das wir gerne hätten.

Wir sind doch nicht in der Märchenstunde

Richtig, denn es geht nicht um Märchen, sondern darum, dass Ihre Botschaft in Erinnerung bleibt und Sie durch Ihre persönliche Geschichte eine loyalere Verbindung zu Ihrem Gesprächspartner bekommen.

Nehmen wir an, einer Ihrer Mitarbeiter reagiert oder handelt nicht so, wie Sie sich dies wünschen. Vielleicht ist er nicht motiviert genug in seinem Einsatz. Vielleicht nicht mutig genug, eine neue Aufgabe anzugehen. Nun, mit Regeln, Anweisungen oder gar Drohungen werden Sie hier selten etwas bewegen oder gar ändern. Doch wenn Sie ihr oder ihm eine Geschichte aus Ihrem persönlichen Leben erzählen, dass Sie auch länger gebraucht haben, um zu verstehen, worauf es in der Arbeitswelt ankommt oder wie Sie gescheitert sind, als Sie das erste Mal bei einer Aufgabe über Ihren gewohnten Schatten gesprungen sind, dann macht das Mut und zeigt Ihrem Mitarbeiter, dass sie oder er es auch schaffen kann. Besonders, wenn die Geschichte eben kein Märchen ist, sondern ein Teil Ihrer Menschlichkeit. Das spürt Ihr Gegenüber.

Bei uns zählen Zahlen, Daten und Fakten

… und keine Geschichten. Gerade in Branchen, bei denen es um hochwertige Produkte oder Dienstleistungen geht, herrscht oft das Vorurteil, dass nur die Fakten zählen. Vor einigen Jahren war ich bei einer Großbank als Kunde zur Kundenveranstaltung eingeladen. Es waren mehrere hundert Kunden anwesend. Nach einigen Vorträgen sollte ein Get-together mit Büfett stattfinden. Die ersten drei Redner erzählten viel über Zahlen, Daten und Renditen. Mein Blick in die große Runde zeigte mir, dass die meisten nur noch in ihren Stühlen hingen und so manchem immer wieder verstohlen die Augen zufielen. Wahrscheinlich haben Sie solche Situationen auch schon erlebt. Erfolgreich unterstützt wird die einschläfernde Vorgehensweise durch halbdunkle Räume und kleinbeschriebene PowerPoint-Folien. Alle hofften, dass wir es bald überstanden haben.

Dann trat der vierte Redner ans Rednerpult – nach einigen Sekunden, in denen er nur still dastand, die Zuschauer musterte – begann er im breitesten Wiener Dialekt mit einer Geschichte aus seiner Familie zum Thema „Anlage von Geld“. Damals habe ich zum ersten Mal erlebt, was es heißt, wenn ein hörbarer Ruck durch die Zuschauer geht. Plötzlich saßen alle wieder nach vorn gebeugt da und hingen trotz fortgeschrittener Stunde ganz gebannt an seinen Lippen.

Es mag sein, dass es bei Ihnen im Gespräch mit Ihren Kunden um wichtige Zahlen und Daten geht. Aber am Ende sind es immer Menschen, denen Sie etwas präsentieren. Und Menschen reagieren wie Menschen.

Für Geschichten habe ich keine Zeit …

… ich bin hier bei der Arbeit und unsere Besprechungen dauern sowieso schon zu lange. Da kann ich Sie gut verstehen. Es gibt so Tage, da geht man von einem Meeting zum anderen, während sich das E-Mail-Fach füllt und die To-do-Liste immer länger wird. Am Abend ist man total geschafft und hat dennoch das Gefühl, nichts gemacht zu haben. Eigentlich würde der Arbeitstag laut Aufgabenplanung jetzt erst richtig losgehen. Und jetzt sollen Sie auch noch Geschichten erzählen.

Hand aufs Herz, wie oft haben Sie das Gefühl, immer und immer wieder das Gleiche zu erzählen? Entweder, weil Ihre Mitarbeiter zwar sagen, dass sie zuhören, aber es nie wirklich umsetzten, oder weil Sie den Eindruck haben, dass die Ziele eines Projektes zwar klar definiert sind, jedoch jeder an einem anderen Strang zieht und vieles doppelt und dreifach gemacht wird. Weil keiner versteht, was sein Gegenüber wirklich braucht.

Den anderen zu verstehen und den tatsächlichen Bedürfnissen der Situation entsprechend zu handeln, ist nicht einfach. Als ich diese Situation in meiner eigenen Firma einmal meistern musste, da meine Mitarbeiter nicht verstanden, welche Erwartungen unser Kunde an das beauftragte Projekt hatte und dass dabei der Dienst nach Vorgaben nicht die Lösung bot, weil stattdessen emotionale Intelligenz erforderlich war, habe ich meinen Mitarbeitern folgende Geschichte erzählt.

Als meine Kinder in dem Alter waren, in dem sie regelmäßig Taschengeld bekamen, kam es immer wieder vor, dass der vereinbarte Betrag bereits vor dem Ende des Monats oder der Woche ausgegeben war. Dann kamen die Kinder und fragten nach mehr. Dummerweise gab ich die dümmste Antwort, die man Kindern geben kann: „Ich habe kein Geld mehr.“ Und prompt kam die Retourkutsche: „Du brauchst ja nur zum Geldautomaten zu gehen und neues zu holen.“ Sie hatten das oft genug beobachtet. Sprüche wie: „Geld muss man erst verdienen, damit da was aus dem Automaten kommt“, kann man sich als Elternteil in dieser Situation sparen. Das ist genauso sinnlos wie: „Ich habe kein Geld.“ Also bekamen alle drei ein Taschengeldkonto (6, 8 und 10 Jahre alt). Mit einer Reihe von vernünftigen Ermahnungen und einer Kontokarte begann das Abenteuer „Taschengeld aus dem EC-Automaten holen“. Was zwei- oder dreimal gut klappte, bis zu dem Moment, an dem der Automat kein Geld mehr hergab, weil eben das Taschengeld ausgegeben war, aber der Monat noch nicht zu Ende. Jetzt verstanden sie, was es bedeutet, wenn der Geldautomat kein Geld mehr hergibt und der nächste Erste abzuwarten ist.

Ich fragte meine Mitarbeiter, was ich tun muss, damit sie nachfühlen konnten, was unser Kunde braucht, unabhängig davon, wie die Regeln zur Aufgabenlösung lauteten. Es war eine sehr ergiebige Besprechung mit vielen umsetzbaren Vorschlägen aus den Reihen der Mitarbeiter, die anschießend wirklich angewendet wurden. Unsere Besprechungen reduzierten sich messbar. Welche Geschichte brauchen Sie, um Ihre Besprechungen effizienter zu gestalten?

Man wird angreifbar durch persönliche Geschichten

Ehrlich? Ja, die Gefahr besteht. Deswegen entscheiden Sie klug, welche Geschichte für welchen Anlass passt. Dabei ist es wichtig, dass Sie die Auswirkungen des Erlebten bereits verarbeitet haben. Zum Beispiel bei der Geschichte, die wir oben angesprochen haben. Wenn Sie erzählen, wie Sie am Beginn Ihres Berufslebens scheiterten, weil Sie mutig etwas angepackt haben. Wenn Ihnen bei dem Gedanken daran immer noch ganz übel wird oder der Schweiß ausbricht, ist diese Geschichte noch nicht geeignet. Suchen Sie dann eine Geschichte, mit der Sie sich bereits innerlich versöhnt haben, bei der sich Rückblickend vielleicht sogar ein kleines Lächeln einschleicht. Seien Sie dabei nicht päpstlicher als der Papst. Das heißt, Sie haben das Recht, Ihre Geschichte zu gestalten. Es reicht, wenn Sie von zwei Versuchen erzählen, Sie müssen nicht alle fünf erwähnen. Es reicht, wenn Sie sagen, dass Sie ganz verzweifelt waren, Sie müssen nicht erzählen, dass Sie drei Nächte durchgeweint haben. Es reicht, wenn Sie sagen, Sie haben die Tür zugeknallt, Sie müssen nicht erzählen, dass Sie sie eingeschlagen haben.

Manche Geschichten gewinnen besonders, wenn sie auf das Wesentliche gekürzt werden. Starten Sie bei Ihrer Geschichte immer mittendrin. Setting-Informationen, wie Alter, Datum, Ort des Geschehen und/oder Anwesende, können in den meisten Fällen in einem Satz zusammengefasst werden und dann machen Sie mit dem Punkt weiter, um den es in der Geschichte tatsächlich geht. Zum Beispiel: „Ich war Anfang 20, alleinerziehend und es war mein erster Job als Telefonverkäuferin.“ Anstatt zu erzählen: „Ich kann mich noch genau erinnern, es war ein sanfter Frühlingsanfang, ich hatte gerade von einer Aufgabe als Sachbearbeiterin bei der Firma XYZ, bei der ich drei Jahre als Mutterschutzvertreterin war, in eine neue Firma gewechselt. Diese Firma hatte ich durch Zufall gefunden …“ Das braucht manchmal etwas Übung. Wenn Sie die Gelegenheit haben, Ihre Geschichte strategisch zu planen, dann kann es helfen, sie aufzuschreiben und alle Sätze, besonders am Anfang, zu streichen, die nicht notwendig sind, um den Punkt, um den es geht, zu verstehen.

Erzählen Sie die Geschichte einer Person Ihres Vertrauens und reiferen Jahrgangs und klären Sie, was Sie zum besseren Verständnis streichen können und welche Wirkung die eine oder andere „nackte“ Wahrheit hat. Die meisten Menschen haben ein gutes Bauchgefühl, was passend ist und was nicht.

Meine Geschichten interessieren niemanden …

… ich habe nichts „Großes“ erlebt. Meine Erlebnisse hat doch jeder und sie sind nichts Besonderes. Die gute Nachricht ist, dass es im Leben nicht immer um die großen übermenschlichen Ereignisse geht, sondern um die kleinen alltagstauglichen Begebenheiten.

Vor einiger Zeit habe ich einen Vortrag von Sir Richard Branson gehört, über seinen Weg zum Erfolg und wie er auch heute noch von einem Superlativ zum nächsten durchstartet. Anschließend erzählte Nathan Blecharczyk die Gründergeschichte von Airbnb. Als ich später die beiden Geschichten reflektierte, kam mir die Geschichte von Sir Richard Branson wie ein Urlaub auf Hawaii vor. Da fliegt man hin, ist hin und weg, begeistert, fasziniert und dann geht es wieder zurück nach Hause in den Alltag. Es gab nicht wirklich konkrete Punkte, die ich in meinem Leben hätte umsetzen können. Die Geschichte von Nathan Blecharczyk dagegen inspirierte mich, einige Punkte in meinem eigenen Marketing zu verändern, außerdem setzte sie bei mir einen Samen für einen neuen Traum und sie gab mir die Motivation und einen mentalen Tritt in den Hintern, eine langgehegte Idee endlich umzusetzen. Geschichten haben immer eine Wirkung, manchmal als Blitzlicht, manchmal mit langanhaltender Wirkung und Inspiration.

Das gilt auch für Ihre Geschichten, egal, wie alltäglich sie Ihnen erscheinen. Wenn die Botschaft für die Situation passt, wenn Ihr Gegenüber sich mit der Geschichte identifizieren kann und wenn sie umsetzbare Punkte enthält, ist sie genau die richtige Geschichte.

Sammeln Sie Geschichten aus Ihrem gelebten Alltag. Erzählen Sie diese Geschichten, nicht um des Erzählens willen, sondern weil sie eine Metapher oder ein Bild oder eine Erfahrung enthält, die Ihrem Kunden, Ihrem Mitarbeiter oder jedem anderem Zuhörer hilft, sein Leben ein Stückchen erfolgreicher zu machen. Denn dadurch werden auch Sie noch ein Stückchen erfolgreicher.

Und ja, der Auszubildende vom Anfang dieses Artikels kam von da an pünktlich!


Keynote-Speakerin Gaby S. Graupner über das erfolgreiche Erzählen von GeschichtenSeit 18 Jahren unterstützt Gaby S. Graupner Kunden als Keynote-Speakerin und Trainerin, erfolgreicher im Leben und im Vertrieb zu werden. Auf ihrem Weg hat sie Hilfe bei vielen Experten gefunden und die fundierten Ratschläge und Erkenntnisse einem Praxistest unterzogen. Sie ist die einzige Rednerin im deutschsprachigen Raum, die das Format „Stand-up-Vortrag“ einsetzt. Dabei führt sie mit einigen Impulsminuten in das Thema ein und fordert dann die Teilnehmer auf, ihr Fragen, Stichwörter oder Halbsätze zuzurufen. Im Gegenzug verspricht sie den Teilnehmern eine zu den genannten Stichwörtern passende Geschichte aus ihrem Leben, inklusive drei Tipps, wie man mit einer solchen Situation am besten umgeht. Die erzählten Geschichten sind auch immer auf den generellen Themenkontext des Vortrages abgestimmt. Als Präsidentin der German Speakers Association verhalf sie ihren Berufskollegen zu einer engeren Vernetzung untereinander und warb für ein klareres Bewusstsein für Ethik und Werte. Mit ihrem Vortragsthema: „Springen Sie über Ihren Schatten – Alles andere sind Ausreden!“ zeigt sie ihren Zuhörern, wie sie die eigenen Stärken so einsetzen, um anspruchsvolle Lebenslagen erfolgreich meistern und bringt alle Techniken der positiven Kommunikation auf den Punkt.

Mehr Information finden Sie auf www.gabysgraupner.de.

Sie möchten Gaby S. Graupner live erleben, Tipps rund ums Thema Storytelling von ihr aus erster Hand erhalten, dann buchen Sie Ihr Ticket für den Presentation Rocket Day am 10.11.2017. Hier geht es zur Anmeldung.

„Nur wer in der Lage ist, sich auszudrücken, ist auch in der Lage, seine eigene Biografie zu beeinflussen.“ Diesem Satz von dm-Gründer Götz Werner ist wenig bis gar nichts hinzuzufügen.

Die Kunst der Rhetorik gilt als Kernkompetenz jeglicher Führungskräfte, Verkäufer, Unternehmer und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Neben der Möglichkeit, ein professionelles Training in Anspruch zu nehmen, gibt es auch für den Alltag leicht umzusetzende Methoden, um seinen rhetorischen Handwerkskoffer zu erweitern.

Am Beispiel dreier Übungen zeige ich Ihnen, wie Sie in Alltagssituationen mehr Schlagfertigkeit beweisen können, Selbstsicherheit gewinnen und sich in gutem Zuhören beweisen.

Der/Die gute Zuhörer/in

Rhetorik zeichnet sich nicht nur darin aus, selbst gut reden zu können, sondern vor allem auch im aufmerksamen Zuhören. Aber Zuhören will gelernt sein. Zunächst ist anzumerken, dass schlechtes Zuhören vom „Nicht-Zuhören“ abzugrenzen ist.

Sicherlich waren Sie auch schon mal in einer Situation, in der Sie partout nicht zuhören konnten oder wollten. Sei es damals in der Schule, in der Universität oder während eines endlos scheinenden Vortrags gewesen. Abzuschweifen kann schnell passieren.

Ein guter Zuhörer zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass er seinem Gegenüber die volle Aufmerksamkeit schenkt. Nur macht ihn dies nicht gleich auch zu einem guten Zuhörer. Die Quintessenz aus einer Unterredung mitzunehmen hilft wenig, wenn die Details des Gesprächs auf der Strecke liegen geblieben sind. Sie sind es schließlich, die unseren rhetorischen Ausführungen das nötige Fundament verleihen.

Um das aufmerksame Zuhören zu lernen, empfehle ich Ihnen zwei Möglichkeiten. Entweder Sie machen sich während des Gesprächs schon Notizen oder Sie hören so konzentriert zu, dass Sie die zentralen Punkte im Nachhinein noch auf einem Blatt Papier zusammenfassen könnten. Wichtig dabei ist, diese Notizen direkt nach dem Gespräch anzufertigen.

Die zweite Möglichkeit ist natürlich etwas anspruchsvoller. Dabei kommt es aber nicht darauf an, jeden besprochenen Themenpunkt wiedergeben zu können. Sie sollten sich fragen:

·   In welcher Ausgangslage hat sich das Gespräch befunden, als es begonnen hat?

·   Welche Argumente hat der Gesprächspartner/die eigene Firma aufgeführt?

·   In welchen Punkten waren sich die Gesprächspartner einig/uneinig?

·   Wo wurden Kompromisse gemacht?

·   Zu welchem Ergebnis kam die Gesprächsrunde?

Legen Sie sich ein Dokument an, in dem Sie sich die oben genannten Punkte vor Augen führen und Sie Schritt für Schritt beantworten. Entweder während des Gesprächs oder danach. Sie können diese Fragen auch an die jeweilige Ausgangslage eines Meetings oder eines Vortrags anpassen. Während eines Vorstellungsgesprächs beispielsweise ist es eher ungünstig, wenn Sie sich währenddessen Notizen zum Gesprächsverlauf machen.

Allgemein gilt: Indem Sie sich fokussiert einer Mitschrift des Gesagten zuwenden, konzentrieren Sie sich automatisch auf das Wichtigste. Denn Nebensätze oder Exkurse sind klar von den zentralen Themen abzugrenzen. Fokussieren Sie sich einfach darauf, das Wichtigste zu erfassen. Die Methode ist einfach und gleichzeitig sehr hilfreich. Denn ein guter Zuhörer ist schließlich auch ein guter Redner.

Schluss mit verschränkten Armen und feuchtem Händedruck!

Allein die Vorstellung vor fünf Personen ein Projekt vorzustellen lässt Ihnen den Schweiß ausbrechen? Und kaum legen Sie los, wippen Sie nervös mit dem Fuß und verlieren den Faden? Ich kann Sie beruhigen: Das geht vielen so.

Dies ist jedoch kein Grund sich seiner Schwäche hinzugeben. Denken Sie, dass professionelle Moderatoren niemals nervös sind?  Wir sehen es nur nie.

Aber selbst der nervöseste Sprecher kann mit der richtigen Technik Berge versetzen. Zunächst ist es wichtig, sich seiner Angst bewusst zu werden. Ursache Ihrer Angst ist nämlich die Scham, die Sie befürchten zu empfinden, wenn Sie sich vor allen anderen blamieren. Damit Ihnen genau das nicht passiert, gibt es ein paar Methoden, die Ihnen von vorneherein helfen, Sicherheit auszustrahlen.

Dafür habe ich einen Rat für Sie, der Ihnen den Auftritt vor Menschen erst einmal erspart. Stellen Sie sich am besten Zuhause in einen Raum, in dem Sie niemand stört. Stellen Sie eine Kamera vor sich – es kann auch die Ihres Handys sein – und nehmen Sie Ihren Vortrag auf. Trockenübungen vor dem Spiegel sind meist wenig hilfreich. Lenkt es doch schließlich ab, wenn wir uns beim Reden selbst beobachten. Anschließend sehen Sie sich die Aufzeichnung an und beachten folgende Punkte:

Welche Körperhaltung habe ich? Was mache ich mit meinen Händen? Sehe ich in die imaginäre Runde oder blicke ich nur auf meine Präsentationsunterlagen? In welcher Lautstärke trage ich vor?

Führen Sie sich alle Dinge vor Augen, die Sie gut und weniger gut fanden. Wichtig sollte sein, den Blick ins Publikum zu richten und ihn von links nach rechts durch das Publikum schweifen zu lassen. So signalisieren Sie Sicherheit, denn lugen Sie ständig auf Ihre Notizen, könnte der Eindruck entstehen, dass Sie nicht gut vorbereitet sind. Sie sehen, es gibt einige Methoden, die Sie selbstsicher wirken lassen – auch wenn Sie es innerlich gar nicht so fühlen!

Doch auch, wenn Sie sich nicht in einer Vortragssituation befinden, helfen Ihnen Mimik und Gestik bei der eigenen Wirkung. Achten Sie zum Beispiel auf einen festen Händedruck und eine gerade Körperhaltung. Sehen Sie Ihrem Gegenüber, egal in welcher Situation bei einer Unterhaltung in die Augen und weichen Sie nicht aus. Achten Sie in Alltagssituationen auch auf Ihre Stimmlage. Sind Menschen sich einer Sache unsicher, reden Sie oft leiser und langsamer. Formulieren Sie klare Sätze in angemessener Lautstärke und trauen Sie sich auszusprechen, was Sie sagen wollten.

Sie wissen oft nicht, was Sie mit Ihren Händen tun sollen? Ihre Hände haben vor allen Dingen nichts in Ihrem Gesicht zu suchen. Berühren Sie sich ständig an der Nase oder streifen sich die Haare hinter das Ohr, wirken Sie schnell unsicher auf Ihr Gegenüber. Lassen Sie die Hände entweder zu beiden Seiten hängen oder falten Sie sie auf Bauchhöhe ineinander. Folgende Punkte können Sie sich bewusstmachen: Verschränkte Arme signalisieren meistens Abweisung und Hände in den Hosentaschen Unsicherheit.

Meistens ist der eigene innere Kritiker der Beste, den man kriegen kann, deshalb gilt: Wer sich gut beobachtet und kritisch mit dem eigenen Verhalten umgeht, verändert langfristig etwas. Doch Achtung: Kritisch sein bedeutet nicht, sich innerlich kleinzumachen! Bleiben Sie fair mit sich und loben Sie sich auch mal, wenn Sie etwas besonders gut fanden. Ich verspreche Ihnen: Daran werden Sie wachsen und selbstsicherer werden.

Ich, ich ich – Botschaften aus der Ich-Perspektive

„Du kannst das nicht, lass’ mich mal bitte machen!“ Egal, ob Sie diesen Satz möglicherweise genauso schon einmal gehört haben oder in einer Abwandlung davon. Er ist vor allem eines: demotivierend und verunsichernd. Sollten Sie derjenige gewesen sein, der diesen Satz ausgesprochen hat, können Sie das nächste Mal einiges besser machen. Vor allem kommt es darauf an, aus welcher Perspektive Sie Botschaften versenden. Stellen Sie sich vor, eine Kollegin kritisiert Ihre Vorgehensweise bei einer Auftragsbearbeitung letzte Woche. Sie sagt „Wie du das letzte Woche gelöst hast, war enttäuschend.“ Was wäre Ihre erste Reaktion? Verständnis oder Resignation? Beantworten Sie sich die Frage doch einfach selbst, indem Sie sich fragen, wie Ihre Kollegin Ihnen die kritische Anmerkung alternativ hätte sagen können. Möglicherweise stören Sie sich an dem Ausdruck „enttäuschend“. Oder vielleicht klingt die Aussage allgemeingültig, als hätte das die halbe Abteilung genauso enttäuschend empfunden. Hier kann ich Ihnen versichern: Ihre Kollegin hätte sich anders ausdrücken können. Jedoch ungeachtet dessen, ob sie den Inhalt ihrer Nachricht wirklich so meint.

Hätte sie sich folgendermaßen ausgedrückt „Ich finde du hättest die Situation letzte Woche anders lösen können“, wären Sie doch sofort zu einer Diskussion bereit oder? Diese Formulierung gibt Ihnen Platz für eigene Anmerkungen und stellt Sie nicht von vorneherein als den „Blöden“ dar. Wichtig dabei ist die „Ich“-Perspektive, derer sich Ihre Kollegin bedient hat. Denn so drückt sie lediglich IHRE Meinung aus und gibt Ihnen die Chance etwas darauf zu erwidern.

Dass sie diese Meinung von Ihrem Vorgehen vertritt, können Sie nicht ändern. Sie wissen jetzt zumindest, wie sie darüber denkt. Zudem kommt es stark auf das Vokabular an. Versuchen Sie positiv konnotierte oder mindestens neutrale Ausdrücke zu verwenden. „Enttäuschend“ ist ein sehr negativ konnotiertes Wort und suggeriert Versagen. Die Formulierung „anders lösen“, ist neutral bis positiv und weist auf alternative Lösungswege, die zu dem beabsichtigten Ziel führen. Viel besser, oder? Achten Sie also in Zukunft – und das können Sie auch Ihrer Kollegin ans Herz legen – auf möglichst positiv ausgedrücktes Feedback in einer Ich-Botschaft verpackt.

Hier finden Sie alle drei Rhetoriktipps noch einmal im Überblick:

Michael Ehlers Rhetoriktipps


Michael Ehlers ist “Der-Rhetoriktrainer.de” im deutschsprachigen Raum. Seit zwei Jahrzehnten trainiert er Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Top-Manager/innen, Profi-Sporttrainer, Politiker/innen und viele mehr. Ehlers beherrscht die Kunst der Rhetorik und wendet sie selbst auf zahlreichen Veranstaltungen als Keynote-Speaker oder Moderator von Großveranstaltungen an. Trainings und Vorträge in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Europa, den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA formten Michael Ehlers zu einem der erfahrensten Profis im Bereich Rhetorik.

www.der-rhetoriktrainer.de/

Michael Ehlers wird auch als Experte und Coach auf dem Presentation Rocket Day 2017 auftreten. Mehr Informationen zu seinem Workshop und dem Presentation Rocket Day finden Sie auf: www.presentation-rocket-day.com.

Die meisten gewohnten alltäglichen Situationen sind sogenannte „One-To-One-Situationen“. Bei diesen One-To-One-Situationen kommunizieren wir im Dialog mit einzelnen oder wenigen Kommunikationspartnern im wechselnden und symmetrischen Ping-Pong-Dialog. Jedes Gespräch in der Familie oder mit einem Kunden ist eine typische One-To-One-Kommunikationssituation.

Wenn wir dagegen vor Publikum vortragen, reden oder präsentieren, befinden wir uns eher in einer sogenannten „One-To-Many-Situation“. Hierbei stehen wir als einzelne Person eine gewisse Zeit lang zentral vor einem erwartungsvollen Publikum und stellen eine Idee, ein Konzept oder ein Produkt dar. Dabei ist der Präsentator als „Redender“ definiert und die Zuhörer sind als „Zuhörende“ definiert. Die Kommunikation ist daher eher asymmetrisch angelegt. Diese Asymmetrie (die mehr oder weniger stark ausgeprägt sein kann) muss sein – sonst wäre es keine Präsentation, sondern „nur“ ein geleitetes Meeting oder eine Moderation.

Die One-To-Many-Asymmetrie lässt den Präsentator – ob er will oder nicht – in eine gewisse „Prominenz“ rutschen. Der Begriff „Prominenz“ kommt vom lateinischen „prominere“ und bedeutet so viel wie „herausragen“ oder „hervorragen“. Und der Präsentator ist – ob er will oder nicht – in seiner zentralen Rolle immer aus dem Kreis der im Raum anwesenden Menschen hervorragend.
Denn:

• Er steht – die anderen sitzen.

• Er bewegt sich viel – die anderen bewegen sich kaum.

• Er spricht – die anderen hören.

• Er schaut alle anderen an – die anderen schauen fast nur ihn an.

• Er hat Medien zur Verfügung – die anderen nicht.

Diese Prominenz muss der Präsentator aber auch für sich annehmen und durch ein angemessenes Verhalten repräsentieren – sonst verliert er seine Performance als Präsentator. Denn das Publikum erwartet, dass der Präsentator die Prominenz annimmt und auch in einem gewissen Sinne zelebriert.

Es gibt hierzu 3 Volumen-Bereiche, in denen der Präsentator ein Art „Volumen“ aufbauen kann und soll, um dadurch eine gewisse Prominenz auszustrahlen.

1. Volumen-Bereich: Lautstärke-Volumen

Ein Präsentator, der durchweg zu leise spricht, nimmt sich dadurch deutlich Lautstärke-Volumen und damit Wirk- und Sendungskraft vor dem Publikum. Daher ist es wichtig, das Lautstärke-Volumen des eigenen Präsentationsauftritts der damit verbundenen Prominenz und Zentralität anzupassen. Im Zweifelsfall sollte man lieber eine Nuance zu laut sprechen als eine Nuance zu leise.

Wenn man als Präsentator selbst das Gefühl hat, dass man gerade minimal zu laut spricht, dann passt das Lautstärke-Volumen meistens recht gut.
Man muss auch aufpassen, dass man nicht am Ende der Sätze leiser wird. Dies kommt häufig vor und senkt ganz subtil die gesamt Wichtigkeit der eigenen Aussagen.

Prominent-Sein heißt daher auch: Lautstärke-Volumen zelebrieren und nutzen.

2. Volumen-Bereich: Zeit-Volumen

Ein Präsentator, der sehr hektisch und gehetzt vor dem Publikum auftritt, nimmt sich dadurch Wirk- und Sendungskraft vor dem Publikum. Solch ein Präsentator scheint sich nicht wichtig genug zu sein, um mit seinen Gedanken dem Publikum auch bewusst etwas Zeit-Volumen zu kosten.

Wer gute Gedanken und Konzepte hat und davon überzeugt ist, der darf sich für deren Darstellung auch Zeit-Volumen nehmen – so sollte man sich zumindest beim Auftritt vor dem Publikum fühlen. Das Publikum muss deutlich spüren, dass der Präsentator das Zeit-Zepter in der Hand hat und auch bewusst nutzt.

• Man sollte also vermeiden zu schnell zu sprechen oder ohne deutliche Wirk-Pausen zu sprechen.

• Auch sollte sich der Präsentator nicht allzu schnell bzw. gehetzt im Raum zu bewegen.

• Genauso sollte der Präsentator nicht zu schnell mit seinem Blickkontakt zwischen den einzelnen Zuschauern hin und her springen.

• Ebenfalls nimmt eine zu schnelle Gestik sehr viel Wirkkraft, wenn man sie nicht nachwirken lässt.

• Umgekehrt kann man als Präsentator kaum mehr Prominenz aufbauen, wie wenn man beim Präsentieren mal eine so lange Pause macht, dass diese dem Publikum schon ein kleines bisschen weh tut. Probieren Sie es aus: Machen Sie mal zwischen 2 Sätzen eine Pause von 7 Sekunden – und Sie werden spüren, welche Zentralität und Prominenz Sie damit vor dem Publikum gewinnen.

Prominent-Sein heißt daher auch: Zeit-Volumen zelebrieren und nutzen.

3. Volumen-Bereich: Raum-Volumen

Ein Präsentator, der zu wenig Platz im Raum einnimmt, nimmt sich dadurch Wirkkraft und Sendungskraft vor dem Publikum. Sie als Präsentator sind die zentrale Person. Daher gehören der Raum und vor allem die Bühne Ihnen und Ihrem Auftritt.

• Ein Präsentator, der beispielsweise permanent mit einem zu engen Stand vor dem Publikum steht, verliert dadurch Standing und Prominenz in seiner Wirkung.

• Ein Präsentator, der über sehr lange Zeit auf dem gleichen Platz stehen bleibt, ohne seinen Raum zu nutzen, verliert dadurch Sendungskraft.

• Oder wenn ein Präsentator beispielsweise zu enge Gestik (nur kurz vor dem Bauch) macht, vergibt er sich dadurch auch sehr viel Prominenz.

• Oft wird eine zu enge Gestik auch mit einer zu schnellen Gestik kombiniert – dadurch verliert der Präsentator gleich doppelt an Prominenz-Volumen:  Raum-Volumen (zu eng) und Zeit-Volumen (zu schnell).

Man kann aber gerade umgekehrt besonders das Raum-Volumen und das Zeit-Volumen sehr schön miteinander koppeln, indem man Gestik nicht nur räumlich etwas weiter macht, sondern diese auch zeitlich etwas länger im Raum „stehen lässt“.

Prominent-Sein heißt daher auch: Raum-Volumen zelebrieren und nutzen.

Fazit:

Alle 3 Volumen-Bereiche (Lautstärke-Volumen + Zeit-Volumen + Raum-Volumen) tragen ganz wesentlich zur Wirkung des Präsentators als Prominenz vor seinem Publikum bei. Aufgrund meiner Erfahrung aus mehr als 1000 Präsentations-Trainings und Präsentations-Supervisionen kann ich guten Gewissens sagen, dass man als Präsentator auch kaum Angst haben muss, dass man diese Volumen-Bereiche übertreibt.


Peter Mohr ist Diplom-Pädagoge für Erwachsenen-Pädagogik. Bis 1995 arbeitete er als Luftwaffen-Offizier für das Bundesministerium für Verteidigung. Sein Grundprinzip lautet:  Höchste Qualität durch höchste Spezialisierung.  Daher arbeitet PETER MOHR seit 1995 als absolut spezialisierter Trainer, Speaker und Coach nur zu einem einzigen Thema: „ERFOLGREICH PRÄSENTIEREN“  Peter Mohr hat schon mehr als 1000 Präsentations-Trainings durchgeführt und 15 Bücher und Hörbücher zum Thema ERFOLGREICH PRÄSENTIEREN verfasst. Er gestaltet als ehemaliger Offizier seine Vorträge und Trainings ganz bewusst sehr verschnörkelt und straff  – genauso straff wie ein militärisches Briefing.
Also ganz bewusst gemäß dem Prinzip: JUST INFO – NO TAINMENT.

www.peter-mohr-trainer.de

Podcast: Zahlreiche Tipp und Tricks zum Thema ERFOLGREICH PRÄSENTIEREN erhalten Sie in Peter Mohrs Podcast: https://www.peter-mohr-trainer.de/präsentations-tipps-per-podcast .

Peter Mohr wird auch 2017 als Präsentationsexperte auf dem Presentation Rocket Day dabei sein. Wenn Sie von ihm und weiteren Präsentationsprofis lernen und dadurch profitieren möchten, buchen Sie Ihr Ticket auf: http://www.presentation-rocket-day.com/anmeldung_frankfurt.

Menschen zu bewegen, ist die hohe Kunst des Präsentierens. Ob Sie vor einem Kunden oder Ihren Mitarbeitern sprechen – immer geht es darum, andere durch die Kraft Ihrer Rede zu überzeugen und damit zu einer bestimmten Handlung bewegen.

Das einfachste Mittel: Die Befehlsform – du musst!

Das einfachste Mittel, Menschen in Bewegung zu setzen, ist sie zu verpflichten – zum Beispiel, indem man seine Macht als Vorgesetzter ausübt.[/vc_column_text][vc_column_text]

Doch Befehl oder gar Zwang wirken immer nur kurzfristig. Nach dem Motto „Dienst nach Vorschrift“ wird erledigt, was verlangt wird – mehr aber auch nicht! Keine Extraleistung, kein Ehrgeiz und schon gar keine Eigeninitiative. Nur wenn Mitarbeiter von ihrer Aufgabe wirklich überzeugt sind, können sie bestmögliche Ergebnisse liefern und sind auch bereit, gerne die Extrameile zu gehen.

Schauplatz: Vertrieb

Im September 2014 beobachtete ich einen Vortrag auf der Messe „Swiss Office Management“ in Zürich. Der Redner stellte ein neuartiges Etikettiersystem vor, das als revolutionär angekündigt wurde. Doch nur fünf Zuhörer interessierten sich dafür. Bei einem anderen Vortrag, für den man dieselbe Anzahl von Stühlen vorgesehen hatte, war dagegen jeder Platz besetzt. Woran liegt es, dass man dem einen Redner überhaupt nicht zuhört und der andere die volle Aufmerksamkeit erhält? Der erste Redner zeigte am Beispiel seines Produkt Features auf, die, wie es schien, niemanden interessierten – als hätte sein Publikum die angesprochenen Probleme gar nicht.

Wenn wir ein Produkt präsentieren, müssen wir uns Gedanken darüber machen, wie wir unseren Zuhörern einen Nutzen bieten können. Ein echter Nutzen stellt sich aber erst dann ein, wenn es für den Zuhörer relevant ist, es ihn oder seine Arbeit beeinflusst oder ein vorhandenes Problem löst. Nur wenn sich der Zuhörer für Sie interessiert, können Sie ihn auch zur Handlung bewegen.

In drei Schritten Publikumsrelevanz herstellen

Lassen Sie uns die Frage anhand eines konkreten Beispiels näher beleuchten. Stellen Sie sich vor, sie präsentieren ein neues Produkt: zum Beispiel eine Smartwatch, die den Puls messen oder Ihre Schritte zählen kann. Beides sind tolle Features und lösen bestimmt auch ein Problem, keine Frage, aber wen interessiert Ihr Produkt?

1. Schritt: Welche Zielgruppe könnte sich für Ihre neue Smartwatch interessieren?

· Alle Menschen, die Uhren tragen? Wohl eher nicht.

· Alle Menschen, die Uhren tragen und ihren sportlichen Fortschritt messen möchten? Schon eher.

Es geht aber noch detaillierter:

Menschen, mit hohem Puls,

· die etwas dagegen unternehmen möchten,

· die etwas dagegen unternehmen möchten und noch keine Smartwatch haben.

Menschen, die tagsüber aktiver sein möchten,

· die zudem eine kleine Motivation benötigen,

· die zudem eine kleine Motivation benötigen und noch keine Smartwatch haben.

2. Schritt: Stellen Sie Relevanz her!

Wählen Sie eine Gruppe, die an Ihrer Uhr interessiert sein könnte. Reden Sie keinesfalls bloß über technische Details. Erzählen Sie, durch welche Aktivitäten man den Puls steuern kann, warum und wann ein zu hoher Puls gefährlich werden kann. So stellen Sie Relevanz her. Wenn Ihre Uhr nun dabei hilft, den Puls zu kontrollieren und die Gesundheit zu verbessern, haben sie sogleich den dritten Schritt erreicht:

3. Schritt: Stellen Sie emotionalen Nutzen her!

Argumente allein reichen nicht aus, um andere zu überzeugen und zum Handeln zu bewegen. Dafür braucht es Emotionen. Emotionen, die wir gerne fühlen, etwa Freude, Zufriedenheit oder Glück. Oder Emotionen, die wir lieber vermeiden möchten: wie Angst, Sorge und Unsicherheit. Ihre Uhr trägt also dazu bei, ein zufriedenes Leben ohne Angst zu führen, und gibt Ihnen Sicherheit! Bingo!

Präsentieren Sie dort, wo Ihre Zielgruppe ist

Zu einer guten Vorbereitung gehört auch, abzuwägen, wo eine Präsentation Sinn macht – und wo nicht. Muss Ihre Smartwatch auf jeder Uhrenmesse präsentiert werden oder eignet sich eine Gesundheitsveranstaltung möglicherweise besser? Nur wenn Sie Ihre Zielgruppe genau kennen, können Sie diese Frage beantworten.

Fokussieren Sie bei der Vorbereitung und Erstellung Ihrer Präsentation nicht zu sehr auf die Eigenschaften Ihres Produkts (z.B. die Features Ihrer Smartwatch). Mit Features allein überzeugen Sie nicht. Vielmehr gilt es vor jedem Vortrag, Inhalt und Botschaft so anzupassen, dass sie sowohl interessant als auch relevant für die Zuhörer werden.

Ich bin Uhrenträger und hatte bis vor zwei Monaten Smartwatches kaum Beachtung geschenkt. Erst seit meine Ärztin Unregelmäßigkeiten bei meinem Puls festgestellt hat, ist das Thema für mich relevant. Eine Präsentation über eine Smartwatch hat mich in Bewegung gesetzt, etwas zu ändern!


Patrick Nini PräsentationenPatrick Nini arbeitete zunächst bei einem internationalen Hersteller für Bankensoftware und später als Berater in dieser Branche. Schon früh entwickelte er seine Leidenschaft für Rhetorik und Präsentieren. Toastmasters, eine internationale Non-Profit-Organisation zur Förderung der Rhetorik, legte schließlich den Grundstein für seine heutige berufliche Tätigkeit als Präsentationstrainer und Vortragsredner. Mit seinem Speech Pad hat Patrick Nini ein Tool entwickelt, das seinen Anwendern dabei hilft, professionelle Vorträge und Präsentationen zu halten und andere zu überzeugen. Als Gründer des Start-ups Pitch5 bietet er mit der Webapplikation zum Speech Pad seinen Kunden zudem einen virtuellen Präsentationscoach. Nini lebt in Wels (Oberösterreich).

www.patricknini.com     www.pitch5.io

Zum Weiterlesen:

Patrick Nini BuchPATRICK NINI

Speech Pad®: Warum gut präsentieren heute anders geht

… und wie Sie es lernen und anwenden können

Mit einem Vorwort von Ilja Grzeskowitz

272 Seiten, gebunden

ISBN 978-3-86936-754-5

€ 34,90 (D) | € 35,90 (A)

GABAL Verlag, Offenbach 2017

Patrick Nini wird auch beim diesjährigen Presentation Rocket Day als Experte und Coach dabei sein. Mehr Informationen zu seinem Workshop und zum Presentation Rocket Day finden Sie hier: www.presentation-rocket-day.com.

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Wollen Sie sich und Ihr Thema in Ihrem Team genauso charismatisch wie ein Profi-Trainer, Coach oder Speaker präsentieren? Dabei hilft Ihnen der mentale Shortcut „Moment of Excellence“, der Sie sofort in Bestform bringt. Damit starten Sie stark und können Ihre Präsenz und Ausstrahlung die ganze Zeit über aufrechterhalten.

Im Herbst 2010 klingelte wieder einmal mein Notfallhandy. Das passiert ab und zu, wenn ein Klient oder Teilnehmer einer meiner Fortbildungsveranstaltungen nicht mehr weiter weiß. Diesmal war es ein Trainer, nennen wir ihn einmal Bert, denn ich kann seinen richtigen Namen aus Diskretionsgründen nicht nennen. Bert befand sich gerade in der Ausbildung zum Coach bei mir. Er schulte eine Gruppe von Vertriebsmitarbeitern zu mehr Leistung im Verkauf. Das Problem war, dass diese Mitarbeiter sich als vollkommen emotionslose Verkaufsmaschinen präsentierten, zu denen Bert keinen Zugang fand. Er konnte sie einfach nicht motivieren oder begeistern und hatte nun die Befürchtung, dass keiner der Mitarbeiter die Zielvorgaben fürs Jahresende erreichen würde. Ich arbeitete mit Bert mit dem „Moment of Excellence“ und sorgte so dafür, dass er sich vor jedem Training in diesen Topzustand versetzte. Allein mit dieser Maßnahme verschaffte sich Bert plötzlich eine derart positive Ausstrahlung, dass die Vertriebsmitarbeiter vollkommen davon angesteckt wurden und plötzlich viel offener wurden. Bert arbeitete dann auch bei den Vertriebsmitarbeitern mit diesem Shortcut und siehe da, sie agierten alle auf einem vollkommen anderen Level. Bei den Verkaufsgesprächen konnten sie sich mit dieser Technik sofort in einen Spitzenzustand versetzen und dadurch stiegen dann auch die Verkaufsergebnisse sprunghaft an.

Was ist der „Moment of Excellence“?

Mit dem „Moment of Excellence“ lässt sich in jeder erdenklichen Situation ein Topzustand erzeugen. Viele Athleten wenden diese Technik an, und auch NLP geschulte Führungskräfte nutzen sie in ihren Teams. Der „Moment of Excellence“ stammt aus dem NLP und ist der Ur-Shortcut schlechthin. Er beschreibt den Topzustand, in dem viele Ressourcen vorhanden sind. Zu den Ressourcen gehören beispielsweise Freude, Begeisterung, Energie, Mut, Selbstbewusstsein und Erfolgsmomente.

Unter der Annahme, dass es für jede Handlung einen „Moment of Excellence“ gibt, wird diese Technik trainiert, um im Alltag genau diese Ressourcen abrufen zu können. Dabei spielt der Anker eine tragende Rolle. Ein Anker stellt einen Reiz dar, auf den eine Person in einer speziellen Weise reagiert. Natürliche Anker sind zum Beispiel Farben, die eine bestimmte Stimmung auslösen, Musik, die aktiviert oder beruhigt, oder ein Geruch, der einen an ein bestimmtes Ereignis erinnert. Der Anker fungiert als Auslöser, und Sie können diesen selbst setzen. Bei der folgenden Übung werde ich Ihnen drei Anker anbieten: einen kinästhetischen, einen auditiven und einen visuellen Anker. Ich empfehle Ihnen, alle drei zu nutzen und miteinander zu kombinieren. Sie stärken damit die Intensität.

Ich arbeite seit über zehn Jahren mit der Technik und habe sie in dieser Zeit weiter verfeinert. Die folgende Anleitung habe ich für Trainer, Berater und Coaches entworfen, um sich besser zu präsentieren.

Mentalcheck

Überlegen Sie, in welcher Situation Sie den „Moment of Excellence“ besonders benötigen. Zum Beispiel zum Beginn einer Präsentation oder bei negativen Reaktionen Ihrer Zuhörer? In bestimmten Momenten, wenn Sie nicht genug Präsenz herstellen können? Wann wäre es toll, ihn einzusetzen?

Praxisanleitung

1. Schritt: Einen „Moment of Excellence“ abrufen und mit allen Sinnen erleben

Denken Sie an eine erfolgreiche Präsentation oder Rede, als Sie ganz präsent waren und Ihr Publikum begeisterten. Erleben Sie den Moment noch einmal mit allen Sinnen. Welche Bilder können Sie sehen? Erinnern Sie sich an die Stimmen von damals? Wie haben Sie sich gefühlt? Was haben Sie empfunden? Erinnern Sie sich an Ihre Körpersprache und nehmen Sie die Haltung von damals ein? Lassen Sie den Moment in Ihrer Erinnerung ganz lebendig entstehen.

2. Schritt: Verkörpern und ankern

Wenn Sie gerade noch nicht stehen, stellen Sie sich jetzt aufrecht hin. Nehmen Sie eine energiegeladene Haltung ein und versuchen Sie den Zustand von damals möglichst zu verkörpern. Atmen Sie so, wie Sie damals geatmet haben. Halten Sie Schultern, Rücken und Kopf wie in diesem Moment. Spüren Sie die Energie. Bringen Sie die ganze Energie in Körper, Geist und Herz in das Hier und Jetzt. Denken Sie intensiv an das Erfolgserlebnis und verstärken Sie diesen Zustand. Wenn Sie den Zustand ganz intensiv wahrnehmen, rufen Sie die drei folgenden Anker ab und verschmelzen Sie in diesem Moment.

Der Bewegungsanker (kinästhetisch)

Setzen Sie den Bewegungsanker, indem Sie beispielsweise eine Faust ballen, mit den Fingern schnipsen oder sich die Hände reiben. Führen Sie diese Bewegung während dieser Übung mehrmals aus. Diese Bewegung ist Ihre magische Bewegung, mit der Sie sich in Zukunft bewusst in Ihren persönlichen „Moment of Excellence“ bringen.

Ein Schlüsselwort (auditiv)

Erinnern Sie sich an ein Wort oder einen Satz, der mit dem damaligen Trainingserfolg in enger Verbindung steht. Nutzen Sie dies als Schlüsselwort bzw. -satz.

Erfolgsbild (visuell)

Erinnern Sie sich an ein Bild, ein Foto oder eine Grafik, die Ihren Erfolgsmoment ablichtet? Stellen Sie sich dieses Bild intensiv vor.

Verschmelzen Sie diese drei Anker miteinander

Sehen Sie das Bild vor Ihrem inneren Auge, während Sie das Schlüsselwort laut aussprechen und Ihre magische Bewegung ausführen. Wiederholen Sie die drei gemeinsam, bis sie miteinander verschmelzen. Genießen Sie diesen Zustand, den Sie selbst immer wieder erzeugen können. So oft Sie wollen.

3. Schritt: Stark für die Zukunft

Mit der konzentrierten Energie und den drei Ankern reisen Sie in eine zukünftige Situation bei der Sie eine Präsentation, einen Vortrag oder Rede halten. Sehen Sie sich in einer Situation, die Ihnen in den nächsten Tagen bevorsteht. Rufen Sie Ihren „Moment of Excellence“ mit den drei Ankern ab. Sehen Sie sich ganz deutlich in dem Moment. Spüren Sie, wie Ihre ganze Kraft, die jetzt in Ihnen ist, auch dann voll in Ihnen präsent ist. Sehen Sie ein klares Bild in Farbe vor Ihrem inneren Auge. Hören Sie die Geräusche und Stimmen von anderen Menschen. Tragen Sie Gewissheit und Energie in sich. Sehen Sie sich stark handeln. Sie erzielen den gewünschten Erfolg. Genießen Sie diesen Augenblick in Ihrem Körper, in Ihrem Geist und im Herzen. Machen Sie eine kleine Pause und lassen Sie den Gedanken ziehen. Wiederholen Sie Schritt drei weitere zwei Male. Intensivieren Sie den „Moment of Excellence“ bei jeder Wiederholung.

Transfer ins Berufsleben: Bevor Sie den „Moment of Excellence“ das erste Mal in der Praxis anwenden, spielen Sie ihn mehrmals durch. Testen Sie den realen Einsatz erst mit einer kleinen Herausforderung und steigern Sie danach die Schwierigkeit der Situation. Genießen Sie alle Ihre Ressourcen, die durch Körper, Geist und Herz fließen. Sie können den „Moment of Excellence“ einsetzen, so oft Sie wollen.


thomas-schlechter-foto-256x256Thomas Schlechter ist der führende Experte für punktgenaue Bestform, Spitzenmotivation, mentale Kraft und innere Stärke. Der diplomierte Sportlehrer coacht seit rund 20 Jahren Prominente, Unternehmer, Führungskräfte, Spitzensportler und alle, die neue Inspirationen suchen sowie ihre persönliche Performance im Beruf oder im Alltag steigern wollen. Sein aktuelles Buch heißt „Punktgenau im Bestform – mit mentalen Shortcuts schneller besser werden“.

http://www.thomasschlechter.de