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Alles eine Frage der Vorbereitung!

Sie können Ihre PowerPoint-Präsentation absolut professionell gestalten und Sie können bei Ihren Präsentationstechniken alle Register ziehen. Aber wenn Sie von einer einzigen Zwischenfrage aus dem Publikum auf dem falschen Fuß erwischt werden, ist der schöne Eindruck schnell dahin. Unsicherheit ruiniert Ihr Standing beim Publikum. Doch auf unangenehme Fragen kann man sich vorbereiten. Mit den folgenden Tipps sind Sie für die nächste Fragerunde gut gewappnet.

Vielleicht haben Sie das selbst schon erlebt: Sie hören sich einen Vortrag an und sind vom Referenten eigentlich ganz angetan. Technik und Inhalt scheinen zu stimmen; Sie fühlen einen echten Erkenntnisgewinn. Am Ende des Vortrags kommt eine Frage aus dem Publikum und trifft den Referent scheinbar unvorbereitet. Sie spüren seine Unsicherheit und eine leichte Verärgerung. Er antwortet ausweichend und kurz angebunden, fast schon schnippisch. In Ihnen steigt ein Zweifel auf, ob der Mann tatsächlich so ein großer Fachmann ist.

Vielleicht sind noch viel mehr Schwachstellen in der Präsentation gewesen, und die Unsicherheit bei der Beantwortung der Frage war nur die Spitze des Eisbergs. Vermutlich gehen Sie innerlich etwas auf Distanz. Die ganze Mühe, die sich der Referent mit seiner Präsentation gemacht hat, der Anfangserfolg, mit dem er Sie schon für sich gewonnen hatte, ist eigentlich umsonst gewesen. Und das alles nur, weil er sich durch eine Publikumsfrage aus dem Konzept bringen ließ.

Unangenehme Fragen, die man lieber nicht gestellt bekommt, können während einer Präsentation immer aufkommen. Manchmal haben wir bei unserer Vorbereitung einen Fehler in den PowerPoint-Folien übersehen und werden vom Publikum darauf aufmerksam gemacht. Möglicherweise hat ein Zuhörer etwas überhört oder falsch verstanden. Hin und wieder ist es auch die Lust an der Provokation. Egal wie banal, unverschämt oder dusselig eine Zuschauerfrage sein sollte, bewahren Sie die Beherrschung. In jedem Fall sollten Sie sich vor Ihrem öffentlichen Auftritt auf solche Situationen vorbereiten, damit Sie angemessene Antworten geben können.

Bereiten Sie sich für Ihre nächste Präsentation auf unerwartete Fragen genau vor!

Tipp 1: Exakte Vorbereitung

Gehen Sie Ihre Präsentation im Vorfeld genau durch und überlegen Sie, an welchen Stellen Fragen auftauchen könnten. Versuchen Sie auf mögliche Fragen die passenden Antworten zu finden, damit Sie während einer Veranstaltung nicht grübeln müssen.

Tipp 2: Inhaltliche Veränderungen

Überlegen Sie, was an Ihrer Präsentation inhaltlich verändert werden kann, um bestimmte Fragen zu vermeiden.

Tipp 3: Entscheidung Zwischenfragen 

Legen Sie vorher fest, ob Sie während des Vortrages Zwischenfragen zulassen oder Fragen erst nach Ende Ihrer Präsentation beantworten wollen. Ihre Entscheidung sollten Sie Ihrem Publikum zu Beginn der Veranstaltung mitteilen. Wenn Sie Ihren Vortrag vorwärts und rückwärts aus dem FF beherrschen, werden Sie wahrscheinlich durch Zwischenfragen nicht so schnell aus dem Konzept gebracht. Grundsätzlich ist es aber ratsam, Fragen erst nach dem Ende Ihrer Präsentation zuzulassen, denn sonst kommen Sie leicht aus dem Rhythmus.

Tipp 4: Stellung beziehen

Bleiben Sie nie eine Antwort schuldig! Sie riskieren Ihre Reputation sehr schnell, wenn Sie Fragen einfach ignorieren. Wenn Sie nicht Stellung nehmen, wird das Ihr Publikum irritieren, und man wird dahinter Schwäche oder Arroganz vermuten.

Tipp 5: Gemeinsamkeiten benennen

Nehmen Sie aggressiven Fragestellern den Wind aus den Segeln! Gerade wenn eine Diskussion in Aggressivität abzudriften droht, versuchen Sie Gemeinsamkeiten zu benennen. Nehmen Sie einen Punkt Ihres Gegenübers heraus und entgegnen Sie „In diesem Punkt bin ich durchaus Ihrer Meinung …“ und versuchen Sie auf die sachliche Ebene zurückzukehren.

Tipp 6: Richtung vorgeben

Bei negativen Fragen dürfen Sie sich nicht in die Defensive drängen lassen! Stellen Sie sich vor, Sie präsentieren eine innovative Technik, die Sie im besten Licht zeigen wollen. Ein Zuhörer fragt Sie: „Diese Technik hat Ihre Firma schon vor einiger Zeit angekündigt. Warum läuft das bei keinem Kunden, wenn es so toll ist?“. Wenn Sie jetzt Erklärungen suchen (Pannen beim Kunden, fehlerhafte Komponenten vom Zulieferer erhalten etc.) und in den „Entschuldigungsmodus“ schalten, haben Sie verloren. Gehen Sie nicht in die Defensive, denn wenn der Fragesteller sich etwas auskennt, kann er Sie mit immer weiteren Fragen in der Verteidigungshaltung festnageln. Versuchen Sie die Frage aufzugreifen, indem Sie ihr eine positive Richtung geben. Sagen Sie zum Beispiel: „Sie möchten wissen, warum es bei der Einführung einer so revolutionären Technik Hürden während der Implementierung gibt?“ Das Problem wird von Ihnen aufgegriffen, erscheint Ihren Zuhörern nun aber in einem anderen Licht.

Tipp 7: Prioritäten setzen

So reagieren Sie richtig, wenn ein Zuhörer mehrere Fragen auf einmal stellt. Wenn ein Fragesteller gleich eine ganze Kette von Fragen an Sie richtet, greifen Sie diejenige heraus, die sich am leichtesten beantworten lässt. Versuchen Sie diese Frage so gut wie möglich zu beantworten. Dann richten Sie sich wieder an den Frager mit „Sie hatten noch eine Frage.“  Suggerieren Sie, dass er die Frage für die anderen Zuhörer nochmals wiederholen soll, damit Ihre Antwort voll verstanden wird. Vermeiden Sie Formulierungen wie „Was war nochmal Ihre nächste Frage?“ Damit würden Sie signalisieren, dass Sie entweder unkonzentriert sind oder die Fragen Sie nicht wirklich interessieren.

Tipp 8: Gelassen reagieren

So reagieren Sie auf bereits beantwortete Fragen. Wenn Sie nach Beendigung Ihrer Präsentation eine Frage gestellt bekommen, die im Vortrag schon ausführlich beantwortet wurde, bleiben Sie gelassen. Es ist natürlich etwas ärgerlich und zeigt, dass der Frager offenbar nicht richtig zugehört hat. Zeigen Sie in einem solchen Fall nicht, dass Sie sich ärgern. Formulierungen wie „Also noch mal für Sie“, oder „Wie ich schon mehrmals erläutert habe“ sollten Sie unterlassen, denn ein gereizter oder herablassender Ton wird nicht nur den Fragenden treffen, sondern auch ein schlechtes Licht auf Sie werfen. Bleiben Sie nett und freuen Sie sich, dass diese Frage ganz leicht zu beantworten ist.

Tipp 9: Weiter ausführen 

So reagieren Sie auf vertrauliche Fragen. Es kann immer einmal passieren, dass nach Ende Ihrer Präsentation Fragen gestellt werden, die Sie nicht beantworten dürfen. Das kann beispielsweise die Firmenstrategie, Produktentwicklungen oder Kooperationen betreffen. Floskeln wie „Ich bin nicht befugt darüber Auskunft zu geben“ sind weit verbreitet, wirken aber eher steif und ablehnend. Verbindlicher ist es eine kleine Erklärung hinzuzufügen wie zum Beispiel: „Danke für Ihre Frage. Wie Sie werden sicher nachvollziehen können, dass Kooperationen von allen Partnern mit äußerster Diskretion verhandelt werden. Ich bitte Sie daher um Verständnis, wenn ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Aussage zu laufenden Prozessen geben kann.“


Präsentations- und PowerPoint-Experte Matthias GartenDipl.-Wirtsch.-Informatiker Matthias Garten als der Experte für multimediales Präsentieren und professionelle PowerPoint-Präsentationen weiß um die Kunst der professionellen Foliengestaltung. Er ist Unternehmer, Speaker (TOP 100 Speaker), Trainer (TOP 100 Excellence Trainer), mehrfacher Buchautor, Präsentationscoach (Präsentationstraining), Mitglied der GSA und des Clubs 55, Organisator der Präsentationskonferenz, des Presentation-Bootcamps und Presentation Rocket Day. Neben PowerPoint- und Präsentationstrainings inspiriert und berät er Unternehmen, sich noch wirkungsvoller zu präsentieren und sich so von Mitbewerbern abzuheben. Er ist Geschäftsinhaber der Präsentations- und PowerPoint-Agentur smavicon Best Business Presentations und hat mit seinem Team seit 1993 über 15.000 professionelle PowerPoint-Präsentationen für über 150 Branchen erstellt.

Eine erfolgreiche Präsentation steht und fällt mit der Performance des Redners. Die PowerPoint-Folien können noch so aussagekräftig sein – wenn der Referent das Publikum durch eine überzeugende Darbietung nicht fesseln kann, verpufft schnell die gesamte Wirkung. Ein wichtiger Aspekt dabei ist auch die Redegeschwindigkeit, auf die ich im folgenden Blogbeitrag etwas näher eingehen möchte.

Der richtige Ton

Es ist gar nicht so einfach, bei einem Vortrag den richtigen Ton zu treffen. Auf welche Weise spricht man das Publikum am besten an? Das hängt natürlich von der Zusammensetzung des Auditoriums und vom Thema der Präsentation ab. Wenn es zum Beispiel um ein wissenschaftliches Fachthema geht und lauter Fachleute im Publikum sitzen, werden Sie sicher versuchen möglichst seriös und sachlich aufzutreten. Geht es darum eine exklusive Klub-Anlage als cooles Urlaubsziel an ein jüngeres Publikum zu vermarkten, werden Sie sich vermutlich um einen lockeren Umgangston und ein gutes Feeling bei Ihrem Publikum bemühen. Die Form Ihres Vortrags muss zum Vortragsinhalt und zum Publikum passen.

Die richtige Geschwindigkeit

Ein besonders wichtiger Aspekt bei der richtigen Publikumsansprache ist die richtige Geschwindigkeit, mit der Sie Ihre Präsentation vortragen. Wenn Sie Ihren Vortrag nur schnell herunterrasseln, besteht die Gefahr, dass die Zuschauer nicht mehr folgen können und abschalten. Reden Sie zu langsam, kann sich das Publikum schnell langweilen und Ihnen ebenfalls keine Aufmerksamkeit mehr schenken. In beiden Fällen verlieren Sie den Kontakt zu Ihrer Zielgruppe und können Ihre Botschaften nicht mehr erfolgreich vermitteln.

Doch wie findet man das richtige Tempo? Hier muss jeder seine eigene praktische Erfahrung sammeln. Möglicherweise haben Sie bereits von Kollegen ein Feedback bekommen, dass Sie etwas langsamer oder schneller, lauter oder deutlicher reden sollten. Falls Sie noch keine Erfahrungswerte sammeln konnten, überlegen Sie sich, ob es im Freundeskreis oder unter Kollegen Vertrauenspersonen gibt, vor denen Sie Ihre Präsentation halten können. Es ist wichtig zu erfahren, wie Sie als Redner wirken.

Sammeln Sie vorher praktische Erfahrungen!

Das Lampenfieber führt bei den ersten Vorträgen meistens dazu, dass der Präsentator häufig zu schnell spricht. Deshalb ist es so wichtig praktische Erfahrungen zu sammeln, bevor man auf größere Bühnen geht. Vor wirklich wichtigen Präsentationen, wenn Sie zum Beispiel die Unternehmenspräsentation vor einem wichtigen Kunden vorführen sollen, ist es ratsam, im Vorfeld mit einem Profi zu trainieren. Gute Präsentationsagenturen bieten Einzelunterricht oder Seminare in kleineren Gruppen an, wo Rhetorik, Dramaturgie und Aussprache trainiert werden.

Darüber hinaus können Sie an den Reaktionen Ihres Publikums erkennen, ob Sie das Tempo variieren müssen. Wenn die Zuschauer anfangen, auf die Uhr zu schauen oder mit dem Nachbarn zu tuscheln, sollten Sie das Tempo etwas anziehen. Wenn Sie dagegen erkennen, dass Ihr Publikum die Augen zusammenkneift, verständnislos auf die Folien starrt oder vielleicht sogar verständnislos den Kopf schüttelt, dann sollten Sie mit dem Tempo heruntergehen. Wenn die Inhalte eher kompliziert sind, sollte die Geschwindigkeit eher etwas langsamer sein.

Nutzen Sie die Wirkung von Redepausen!

Denken Sie auch an Redepausen! Egal ob Sie schnell oder langsam reden, achten Sie darauf beim Sprechen, Pausen zu machen. Die Wirkung einer Redepause ist von großer Bedeutung. Versetzen Sie sich in die Situation Ihres Publikums. Pausen sind wichtig, um Informationen speichern zu können. Der Vortragende nutzt Pausen nicht nur zum Luft holen, sondern setzt sie dramaturgisch ein, um Spannung und Aufmerksamkeit zu erzeugen. Wenn Sie beispielweise die rhetorische Frage stellen „Wissen Sie was diese Information für Sie bedeutet?“ und danach eine kurze Pause einbauen, haben Sie die ungeteilte Aufmerksamkeit Ihres Publikums für Ihren nächsten Satz.

Fazit

Diese Dinge sollten wirklich eingeübt werden, damit sie ihre Wirkung richtig entfalten können. Mit etwas Erfahrung entwickeln Sie ein Gespür für das richtige Tempo.


Dipl.-Wirtsch.-Informatiker Matthias Garten als der Experte für multimediales Präsentieren und professionelle PowerPoint-Präsentationen weiß um die Kunst der professionellen Foliengestaltung. Er ist Unternehmer, Speaker (TOP 100 Speaker), Trainer (TOP 100 Excellence Trainer), mehrfacher Buchautor, Präsentationscoach (Präsentationstraining), Mitglied der GSA und des Clubs 55, Organisator der Präsentationskonferenz, des Presentation-Bootcamps und Presentation Rocket Day. Neben PowerPoint- und Präsentationstrainings inspiriert und berät er Unternehmen, sich noch wirkungsvoller zu präsentieren und sich so von Mitbewerbern abzuheben. Er ist Geschäftsinhaber der Präsentations- und PowerPoint-Agentur smavicon Best Business Presentations und hat mit seinem Team seit 1993 über 15.000 professionelle PowerPoint-Präsentationen für über 150 Branchen erstellt.

„Warum erzählst du mir das?“

„Weil ich eingesehen habe, dass ich dir nur helfen kann, wenn ich dir erzähle, was mir vor vielen Jahren geholfen hat, meinen Weg in der Gesellschaft zu finden. Die Geschichte meines Lehrers, wie er seinen Weg gefunden hat.“

So ähnlich hörte sich der Dialog zwischen einem Werkstattmeister und einem jungen Auszubildenden an, als der Auszubildende zum wiederholten Male zu spät kam und Drohungen und Konsequenzen keine Verhaltensänderung herbeigeführt hatten.

Würden Sie jetzt gerne wissen, wie es weiterging? Was der Werkstattmeister erlebt hat? Ob der Auszubildende von da an pünktlich war? Dann sind Sie mittendrin in der Spannung, die Geschichten bei unseren Gesprächspartnern auslösen.

Sie sind eher skeptisch? Was soll eine Geschichte schon ändern? „Wir sind doch nicht in der Märchenstunde. Bei uns zählen Daten, Zahlen und Fakten. Für Geschichten habe ich keine Zeit. Wir sind hier zum Arbeiten. Ja, so blöd werde ich sein und dir eine Geschichte von mir erzählen, damit du sie dann gegen mich verwenden kannst. Meine Geschichten interessieren niemanden.“

Haben Sie bei einer dieser Aussagen innerlich genickt? Dann sind Sie auf dem richtigen Weg. Sie lesen trotz Ihrer Skepsis oder Ihrer schlechten Erfahrung immer noch weiter. Dankeschön und herzlichen Glückwunsch.

Nehmen wir diese Aussagen doch als roten Faden, um zu verstehen, weshalb Geschichten Sie noch erfolgreicher machen, egal, ob Sie mit Kunden sprechen, mit Mitarbeitern, mit Kollegen, mit Ihrem Partner zu Hause oder Ihren Kindern. Geschichten sind ein wichtiger Teil einer erfolgreichen Kommunikation mit Menschen, besonders, wenn diese Menschen etwas tun sollen, das wir gerne hätten.

Wir sind doch nicht in der Märchenstunde

Richtig, denn es geht nicht um Märchen, sondern darum, dass Ihre Botschaft in Erinnerung bleibt und Sie durch Ihre persönliche Geschichte eine loyalere Verbindung zu Ihrem Gesprächspartner bekommen.

Nehmen wir an, einer Ihrer Mitarbeiter reagiert oder handelt nicht so, wie Sie sich dies wünschen. Vielleicht ist er nicht motiviert genug in seinem Einsatz. Vielleicht nicht mutig genug, eine neue Aufgabe anzugehen. Nun, mit Regeln, Anweisungen oder gar Drohungen werden Sie hier selten etwas bewegen oder gar ändern. Doch wenn Sie ihr oder ihm eine Geschichte aus Ihrem persönlichen Leben erzählen, dass Sie auch länger gebraucht haben, um zu verstehen, worauf es in der Arbeitswelt ankommt oder wie Sie gescheitert sind, als Sie das erste Mal bei einer Aufgabe über Ihren gewohnten Schatten gesprungen sind, dann macht das Mut und zeigt Ihrem Mitarbeiter, dass sie oder er es auch schaffen kann. Besonders, wenn die Geschichte eben kein Märchen ist, sondern ein Teil Ihrer Menschlichkeit. Das spürt Ihr Gegenüber.

Bei uns zählen Zahlen, Daten und Fakten

… und keine Geschichten. Gerade in Branchen, bei denen es um hochwertige Produkte oder Dienstleistungen geht, herrscht oft das Vorurteil, dass nur die Fakten zählen. Vor einigen Jahren war ich bei einer Großbank als Kunde zur Kundenveranstaltung eingeladen. Es waren mehrere hundert Kunden anwesend. Nach einigen Vorträgen sollte ein Get-together mit Büfett stattfinden. Die ersten drei Redner erzählten viel über Zahlen, Daten und Renditen. Mein Blick in die große Runde zeigte mir, dass die meisten nur noch in ihren Stühlen hingen und so manchem immer wieder verstohlen die Augen zufielen. Wahrscheinlich haben Sie solche Situationen auch schon erlebt. Erfolgreich unterstützt wird die einschläfernde Vorgehensweise durch halbdunkle Räume und kleinbeschriebene PowerPoint-Folien. Alle hofften, dass wir es bald überstanden haben.

Dann trat der vierte Redner ans Rednerpult – nach einigen Sekunden, in denen er nur still dastand, die Zuschauer musterte – begann er im breitesten Wiener Dialekt mit einer Geschichte aus seiner Familie zum Thema „Anlage von Geld“. Damals habe ich zum ersten Mal erlebt, was es heißt, wenn ein hörbarer Ruck durch die Zuschauer geht. Plötzlich saßen alle wieder nach vorn gebeugt da und hingen trotz fortgeschrittener Stunde ganz gebannt an seinen Lippen.

Es mag sein, dass es bei Ihnen im Gespräch mit Ihren Kunden um wichtige Zahlen und Daten geht. Aber am Ende sind es immer Menschen, denen Sie etwas präsentieren. Und Menschen reagieren wie Menschen.

Für Geschichten habe ich keine Zeit …

… ich bin hier bei der Arbeit und unsere Besprechungen dauern sowieso schon zu lange. Da kann ich Sie gut verstehen. Es gibt so Tage, da geht man von einem Meeting zum anderen, während sich das E-Mail-Fach füllt und die To-do-Liste immer länger wird. Am Abend ist man total geschafft und hat dennoch das Gefühl, nichts gemacht zu haben. Eigentlich würde der Arbeitstag laut Aufgabenplanung jetzt erst richtig losgehen. Und jetzt sollen Sie auch noch Geschichten erzählen.

Hand aufs Herz, wie oft haben Sie das Gefühl, immer und immer wieder das Gleiche zu erzählen? Entweder, weil Ihre Mitarbeiter zwar sagen, dass sie zuhören, aber es nie wirklich umsetzten, oder weil Sie den Eindruck haben, dass die Ziele eines Projektes zwar klar definiert sind, jedoch jeder an einem anderen Strang zieht und vieles doppelt und dreifach gemacht wird. Weil keiner versteht, was sein Gegenüber wirklich braucht.

Den anderen zu verstehen und den tatsächlichen Bedürfnissen der Situation entsprechend zu handeln, ist nicht einfach. Als ich diese Situation in meiner eigenen Firma einmal meistern musste, da meine Mitarbeiter nicht verstanden, welche Erwartungen unser Kunde an das beauftragte Projekt hatte und dass dabei der Dienst nach Vorgaben nicht die Lösung bot, weil stattdessen emotionale Intelligenz erforderlich war, habe ich meinen Mitarbeitern folgende Geschichte erzählt.

Als meine Kinder in dem Alter waren, in dem sie regelmäßig Taschengeld bekamen, kam es immer wieder vor, dass der vereinbarte Betrag bereits vor dem Ende des Monats oder der Woche ausgegeben war. Dann kamen die Kinder und fragten nach mehr. Dummerweise gab ich die dümmste Antwort, die man Kindern geben kann: „Ich habe kein Geld mehr.“ Und prompt kam die Retourkutsche: „Du brauchst ja nur zum Geldautomaten zu gehen und neues zu holen.“ Sie hatten das oft genug beobachtet. Sprüche wie: „Geld muss man erst verdienen, damit da was aus dem Automaten kommt“, kann man sich als Elternteil in dieser Situation sparen. Das ist genauso sinnlos wie: „Ich habe kein Geld.“ Also bekamen alle drei ein Taschengeldkonto (6, 8 und 10 Jahre alt). Mit einer Reihe von vernünftigen Ermahnungen und einer Kontokarte begann das Abenteuer „Taschengeld aus dem EC-Automaten holen“. Was zwei- oder dreimal gut klappte, bis zu dem Moment, an dem der Automat kein Geld mehr hergab, weil eben das Taschengeld ausgegeben war, aber der Monat noch nicht zu Ende. Jetzt verstanden sie, was es bedeutet, wenn der Geldautomat kein Geld mehr hergibt und der nächste Erste abzuwarten ist.

Ich fragte meine Mitarbeiter, was ich tun muss, damit sie nachfühlen konnten, was unser Kunde braucht, unabhängig davon, wie die Regeln zur Aufgabenlösung lauteten. Es war eine sehr ergiebige Besprechung mit vielen umsetzbaren Vorschlägen aus den Reihen der Mitarbeiter, die anschießend wirklich angewendet wurden. Unsere Besprechungen reduzierten sich messbar. Welche Geschichte brauchen Sie, um Ihre Besprechungen effizienter zu gestalten?

Man wird angreifbar durch persönliche Geschichten

Ehrlich? Ja, die Gefahr besteht. Deswegen entscheiden Sie klug, welche Geschichte für welchen Anlass passt. Dabei ist es wichtig, dass Sie die Auswirkungen des Erlebten bereits verarbeitet haben. Zum Beispiel bei der Geschichte, die wir oben angesprochen haben. Wenn Sie erzählen, wie Sie am Beginn Ihres Berufslebens scheiterten, weil Sie mutig etwas angepackt haben. Wenn Ihnen bei dem Gedanken daran immer noch ganz übel wird oder der Schweiß ausbricht, ist diese Geschichte noch nicht geeignet. Suchen Sie dann eine Geschichte, mit der Sie sich bereits innerlich versöhnt haben, bei der sich Rückblickend vielleicht sogar ein kleines Lächeln einschleicht. Seien Sie dabei nicht päpstlicher als der Papst. Das heißt, Sie haben das Recht, Ihre Geschichte zu gestalten. Es reicht, wenn Sie von zwei Versuchen erzählen, Sie müssen nicht alle fünf erwähnen. Es reicht, wenn Sie sagen, dass Sie ganz verzweifelt waren, Sie müssen nicht erzählen, dass Sie drei Nächte durchgeweint haben. Es reicht, wenn Sie sagen, Sie haben die Tür zugeknallt, Sie müssen nicht erzählen, dass Sie sie eingeschlagen haben.

Manche Geschichten gewinnen besonders, wenn sie auf das Wesentliche gekürzt werden. Starten Sie bei Ihrer Geschichte immer mittendrin. Setting-Informationen, wie Alter, Datum, Ort des Geschehen und/oder Anwesende, können in den meisten Fällen in einem Satz zusammengefasst werden und dann machen Sie mit dem Punkt weiter, um den es in der Geschichte tatsächlich geht. Zum Beispiel: „Ich war Anfang 20, alleinerziehend und es war mein erster Job als Telefonverkäuferin.“ Anstatt zu erzählen: „Ich kann mich noch genau erinnern, es war ein sanfter Frühlingsanfang, ich hatte gerade von einer Aufgabe als Sachbearbeiterin bei der Firma XYZ, bei der ich drei Jahre als Mutterschutzvertreterin war, in eine neue Firma gewechselt. Diese Firma hatte ich durch Zufall gefunden …“ Das braucht manchmal etwas Übung. Wenn Sie die Gelegenheit haben, Ihre Geschichte strategisch zu planen, dann kann es helfen, sie aufzuschreiben und alle Sätze, besonders am Anfang, zu streichen, die nicht notwendig sind, um den Punkt, um den es geht, zu verstehen.

Erzählen Sie die Geschichte einer Person Ihres Vertrauens und reiferen Jahrgangs und klären Sie, was Sie zum besseren Verständnis streichen können und welche Wirkung die eine oder andere „nackte“ Wahrheit hat. Die meisten Menschen haben ein gutes Bauchgefühl, was passend ist und was nicht.

Meine Geschichten interessieren niemanden …

… ich habe nichts „Großes“ erlebt. Meine Erlebnisse hat doch jeder und sie sind nichts Besonderes. Die gute Nachricht ist, dass es im Leben nicht immer um die großen übermenschlichen Ereignisse geht, sondern um die kleinen alltagstauglichen Begebenheiten.

Vor einiger Zeit habe ich einen Vortrag von Sir Richard Branson gehört, über seinen Weg zum Erfolg und wie er auch heute noch von einem Superlativ zum nächsten durchstartet. Anschließend erzählte Nathan Blecharczyk die Gründergeschichte von Airbnb. Als ich später die beiden Geschichten reflektierte, kam mir die Geschichte von Sir Richard Branson wie ein Urlaub auf Hawaii vor. Da fliegt man hin, ist hin und weg, begeistert, fasziniert und dann geht es wieder zurück nach Hause in den Alltag. Es gab nicht wirklich konkrete Punkte, die ich in meinem Leben hätte umsetzen können. Die Geschichte von Nathan Blecharczyk dagegen inspirierte mich, einige Punkte in meinem eigenen Marketing zu verändern, außerdem setzte sie bei mir einen Samen für einen neuen Traum und sie gab mir die Motivation und einen mentalen Tritt in den Hintern, eine langgehegte Idee endlich umzusetzen. Geschichten haben immer eine Wirkung, manchmal als Blitzlicht, manchmal mit langanhaltender Wirkung und Inspiration.

Das gilt auch für Ihre Geschichten, egal, wie alltäglich sie Ihnen erscheinen. Wenn die Botschaft für die Situation passt, wenn Ihr Gegenüber sich mit der Geschichte identifizieren kann und wenn sie umsetzbare Punkte enthält, ist sie genau die richtige Geschichte.

Sammeln Sie Geschichten aus Ihrem gelebten Alltag. Erzählen Sie diese Geschichten, nicht um des Erzählens willen, sondern weil sie eine Metapher oder ein Bild oder eine Erfahrung enthält, die Ihrem Kunden, Ihrem Mitarbeiter oder jedem anderem Zuhörer hilft, sein Leben ein Stückchen erfolgreicher zu machen. Denn dadurch werden auch Sie noch ein Stückchen erfolgreicher.

Und ja, der Auszubildende vom Anfang dieses Artikels kam von da an pünktlich!


Keynote-Speakerin Gaby S. Graupner über das erfolgreiche Erzählen von GeschichtenSeit 18 Jahren unterstützt Gaby S. Graupner Kunden als Keynote-Speakerin und Trainerin, erfolgreicher im Leben und im Vertrieb zu werden. Auf ihrem Weg hat sie Hilfe bei vielen Experten gefunden und die fundierten Ratschläge und Erkenntnisse einem Praxistest unterzogen. Sie ist die einzige Rednerin im deutschsprachigen Raum, die das Format „Stand-up-Vortrag“ einsetzt. Dabei führt sie mit einigen Impulsminuten in das Thema ein und fordert dann die Teilnehmer auf, ihr Fragen, Stichwörter oder Halbsätze zuzurufen. Im Gegenzug verspricht sie den Teilnehmern eine zu den genannten Stichwörtern passende Geschichte aus ihrem Leben, inklusive drei Tipps, wie man mit einer solchen Situation am besten umgeht. Die erzählten Geschichten sind auch immer auf den generellen Themenkontext des Vortrages abgestimmt. Als Präsidentin der German Speakers Association verhalf sie ihren Berufskollegen zu einer engeren Vernetzung untereinander und warb für ein klareres Bewusstsein für Ethik und Werte. Mit ihrem Vortragsthema: „Springen Sie über Ihren Schatten – Alles andere sind Ausreden!“ zeigt sie ihren Zuhörern, wie sie die eigenen Stärken so einsetzen, um anspruchsvolle Lebenslagen erfolgreich meistern und bringt alle Techniken der positiven Kommunikation auf den Punkt.

Mehr Information finden Sie auf www.gabysgraupner.de.

Sie möchten Gaby S. Graupner live erleben, Tipps rund ums Thema Storytelling von ihr aus erster Hand erhalten, dann buchen Sie Ihr Ticket für den Presentation Rocket Day am 10.11.2017. Hier geht es zur Anmeldung.