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Outfit und die eigene Bühnenperformance

Das Outfit gehört zu Ihrer Bühnenperformance (von Elisabeth Motsch)

By | August 2, 2017

„Soll ich den hellen oder den dunklen Anzug tragen?“ Ein Geschäftsführer fragt dies im Gespräch seine Frau, da er am nächsten Tag bei einer Präsentation punkten muss. Sie empfiehlt ihm den hellen Anzug, weil er ihr damit so gut gefällt: Er erinnert sie mit dem Anzug an ihren letzten Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff. Hätte sie zu dem Zeitpunkt mehr Ahnung von Wirkungsgeheimnissen der richtigen Kleidung bei Präsentationen gehabt, hätte sie ihm diesen Anzug nicht empfohlen.

Ein weiteres Beispiel ist eine junge Expertin für Kommunikation, die ihren ersten Vortrag auf einem Frauenkongress hält und sich für ihr Lieblingsoutfit entscheidet: Die ärmellose weite Bluse die bis zur Mitte ihres Oberschenkels geht, vorne mit großem Totenkopf drauf und eine silberfarbene Leggings dazu. Ganz nach dem Motto: Ich muss mich ja wohlfühlen – das bin ich.

Der eine fragt den Partner, der andere sein Gefühl. Meistens geht das leider schief, wenn Sie die Wirkungsgeheimnisse in Präsentationen und auf der Bühne nicht kennen. Leider erzielte der Mann mit dem hellen Anzug nicht die Wirkung die er sich wünschte, er wirkte farblos und übermittelte wenig Status. Die Dame bekam eine sehr schlechte Bewertung auf Grund ihres Outfits und ihre Kompetenz rückte in den Hintergrund. Schade eigentlich, dass beide durch Unwissen wichtige Punkte verschenkten.
Kleidung kann Ihre Botschaft unterstreichen oder schmälern. Denn der bekannte Spruch „Kleider machen Leute“ gilt auch heute noch und kann Sie auf dem Weg zum Erfolg weiterbringen.

Jedoch gibt es auch viele Leute, die die Kleiderwahl nicht dem Zufall lassen und sich in der Kleiderauswahl beraten und coachen lassen. Sie unterstützen ihr Vorhaben durch ihre Kleidung und sind mit ihrer daraus resultierenden Wirkung erfolgreich.

 

Die Erwartungshaltung ist gross

Ich habe viele Redner und Rednerinnen mit Top-Themen gehört, bei denen die Kleiderperformance zu wünschen übrig ließ. Aus welchen Gründen auch immer, sie mussten sich mehr anstrengen, um zu überzeugen und manchmal ging der Schuss wirklich nach hinten los und kaum jemand sprach über ihre Inhalte, sondern nur über das unpassende Outfit. Von Ihnen wird adäquate Kleidung, passend zu Ihrem Image und Ihrer Persönlichkeit erwartet. Sonst kommt das Gefühl hoch: Da stimmt was nicht!

Ich erinnere mich noch an einen Facebook-Post, in dem eine sehr bekannte Vortragende ihrem Ärger Luft machte, weil ihr Outfit während des Vortrags in den Bewertungen durchdiskutiert und durch den Kakao gezogen wurde, ohne dass Ihre Leistung gewürdigt worden wäre. Menschen sind primär visuell gelenkt. Erscheint ein Outfit für sie nicht adäquat, dann achten sie mehr darauf, als auf den Inhalt.
Ich kann nur sagen: Verschenken Sie mit Ihrer Kleidung keine wertvollen Punkte und kleiden Sie sich so, dass Ihnen Ihr Outfit den roten Teppich für die Inhalte legt.
Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler.

Vor einigen Jahren war die Wahl der Kleidung noch sehr einfach. Es gab zwei Tipps, die man immer anwenden konnte:

1. Kleiden Sie sich nie schlechter als Ihr Publikum
2. Unterstreichen Sie mit entsprechender Kleidung Ihr Image, Ihr Unternehmen und Ihr Produkt

Heute kommt ein 3. Punkt dazu und der heißt: Kleide Dich mit Profil, sei authentisch, zeig wer Du bist und für was Du stehst. Dafür kannst Du auch Deinen Stil brechen. Ob das wirklich immer stimmt, werden wir im Folgenden beleuchten.

 

Der Zielgruppe entsprechend?

Sind Banker Ihre Zielgruppe, so ist es ganz einfach: Der Anzug/Hosenanzug ist die beste Wahl. Ob es immer eine Krawatte sein muss, das bezweifle ich in manchen Fällen. Fühlen Sie sich damit wohl, sehr gut! Wenn nicht, überlegen Sie genau, ob die Krawatte Ihrer Authentizität schadet. Stellen Sie sich Reinhold Messner, der in einer Bank einen Vortrag halten soll, in Anzug und Krawatte vor. Es passt einfach nicht zu ihm. Eine Kombination aus Sakko, sportlichem Hemd und Hose ist die bessere Wahl. Jedoch muss man auch sagen, dass bei Prominenten so mancher Kleider-Faux-Pas verziehen wird. Es zählt der Bonus der Bekanntheit und überwiegt somit die Wirkung des Outfits. So manch ein Prominenter kann sich jedoch auch nicht darauf verlassen, wie man an negativen Kommentaren in Zeitschriften lesen kann.

Wer vor Technikern in einem IT-Unternehmen spricht, wäre mit einem zu formellen Outfit in Anzug und Krawatte overdressed. Ein sportliche(s) Blazer/Sakko und eine Chinohose (Baumwollhose) dazu und das Outfit ist für diese Zielgruppe perfekt.

Unterschätzen Sie Ihre Zielgruppen nie. So manche haben schon unliebsame Überraschungen erlebt, weil sie glaubten, ihre Zielgruppe zu verstehen und in Folge inadäquat gekleidet waren.Fragen Sie nach, welcher Dresscode im Unternehmen verlangt wird. Vergessen Sie jedoch dabei Ihr Image nie. Ich würde nie Jeans tragen, nur weil mein Publikum Jeans trägt. Ich trage dann ein sportlich-klassisches Outfit, meiner Marke entsprechend, jedoch nicht zu overdressed.

Bei einem Agentur-Pitch, wo man sich um einen Auftrag in der Vorstandsetage einer großen Versicherung bewirbt, ist der Anzug/Hosenanzug wiederum eine gute Wahl. Ein zu lockerer Dresscode könnte mangelndes Interesse für den Auftrag vermitteln.

Ich kann nur sagen: Sind sie lieber zu gut als zu schlecht angezogen. Das ist noch immer die bessere Wahl.

 

Ihrer Marke entsprechend

Jedes Unternehmen besitzt ein bestimmtes Image und vertritt besondere Werte. Fragen Sie sich, welche Botschaft und welche Werte Sie vermitteln möchten. Sie sollten mit Ihrem Outfit Ihre Marke spiegeln und verkörpern. Wer Luxusartikel oder teure Beratungskonzepte verkauft, sollte sich nicht im Used-Look (dieser Look sieht aus, als wären die Sachen schon lange getragen worden, war aber meist sehr teuer) oder im „ist mir egal Look“ präsentieren – das entspricht nicht dem Markenimage. Wer Präzision verkauft, sollte nicht schlampig gekleidet sein, sondern akkurat und genau. Das heißt in gut geschnittener Kleidung, nicht zu groß, nicht zu klein, nicht zu weit, nicht zu eng und in guter Qualität und gut gebügelt. Wer Kreativität verkauft, ist nicht bodenständig gekleidet. Wer als Autorität wahrgenommen werden möchte, sollte sich auch so kleiden. Das wird von Ihnen erwartet. Sie möchten doch nicht, dass Ihr Gegenüber Ihr Outfit folgendermaßen interpretiert: „Investieren Sie bloß nicht in mich, ich bin das Geld nicht wert.“

Machen Sie eine kleine Umfrage in Ihrem beruflichen Umfeld: Was wird von Ihnen und Ihrer Marke erwartet? Bitten Sie um ehrliche Meinungen dazu und holen Sie sich professionelle Berater mit Know-How für Bühnenauftritte oder Präsentationen mit ins Boot.

 

Authentisch und zielgruppengerecht

Sich in seiner zweiten Haut wohl zu fühlen, ist oberste Priorität. Wer das nicht tut, wird durch seine Körpersprache sein Unwohlsein transportieren und das ist nicht zu seinem Vorteil. Es gilt eine Verbindung zu schaffen zwischen Authentizität und Professionalität. Erinnern Sie sich an die Geschichte mit der jungen Kommunikationsexpertin auf dem Frauenkongress, die von den Teilnehmerinnen so schlecht bewertet wurde. Sie hat verabsäumt, die Verbindung zwischen Ihrer Wohlfühlkleidung und der Erwartungshaltung zu schaffen. Was wäre die Lösung gewesen? Ein Outfit zu finden, welches formeller als der Totenkopf und die Leggings ist und doch nicht zu formell, dass sie sich nicht verkleidet fühlt. Eine schicke, nicht zu enge Hose mit einem modisch-sportlichem Blazer und einer schönen kragenlosen Bluse drunter, fertig. Und die Kritiker hätten nichts zu meckern gehabt. Denn ein passendes Outfit liegt Ihnen den roten Teppich für die Inhalte. Hat das Gehirn einen ersten schlechten Eindruck gesammelt, so sucht es ständig nach Bestätigung und achtet nicht mehr auf das Gesagte und den Inhalt. Das möchten Sie sicher nicht.

 

Authentisch anders

Vielleicht kennen Sie Stefan Verra. Der Top-Körpersprache-Experte ist ein wahrer „Körpersprecher“. Er ist ein extrovertierter Österreicher, 155 cm groß, bewegt sich viel und trägt fast immer Jeans und dunkelblaues Shirt auf der Bühne (ab und an auch mal Hemd und Blazer), egal welche Zielgruppe er vor sich hat. Stefan Verra kommt mit einem Feuer und einem charismatischen Auftreten auf die Bühne, sodass die Kleidung zur Nebensache wird. Er schafft es, vom ersten Moment an zu überzeugen. Und das Publikum nimmt ihm das ab – ein Anzug mit Krawatte wäre bei ihm fehl am Platz, weil es nicht seine Marke unterstreicht. Sein Outfit ist absolut authentisch und passt zu seinen Themen. Dabei ist es dann egal, um welche Zielgruppe es sich handelt.

Wer dieses überzeugende charismatische Auftreten nicht hat, bzw. das Image einen lässigen Kleiderstil nicht zulässt, dem sei gesagt: Finden Sie die Verbindung zwischen Ihrem Publikum und Zielgruppe und ihrem persönlichen Stil. Damit liegen Sie immer auf der richtigen Seite.

 

Aussergewöhnlich auffallend

Wer sich mit einem auffälligen Outfit zur Marke zu machen möchte, muss seinen Kleiderstil sehr gut durchdenken. Wer nur den Stil bricht um aufzufallen, hat noch kein Konzept. Das, was scheinbar mühelos wirkt, ist wohl durchdacht, um als Marke wahrgenommen zu werden. Ohne die passende Persönlichkeit ist ein auffälliges Outfit nicht glaubwürdig.
Thomas Stein, der Musikmanager, hat mir einmal erzählt, wie viel Zeit und Energie bei Fernsehauftritten in die perfekte Bühnenkleidung gesteckt wird, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Nehmen Sie sich im Vorfeld also ausreichend Zeit, um das Outfit zu durchdenken.

 

Dunkle Farben oder helle Farben, vielleicht auch Buntes?

Je mehr Status Sie repräsentieren möchten, umso dunkler müssen Farben sein. Je heller das Outfit, desto weniger Autorität strahlen Sie aus. Ist der Hintergrund der Bühne dunkel, sollte ihre Kleidung heller gewählt werden und umgekehrt. Es könnte sein, dass man auf der großen Leinwand nur noch Ihr Gesicht und Ihre Hände sieht. Fragen Sie am Veranstaltungsort nach, welche Bühnenverhältnisse vorherrschen. Im Zweifel nehmen Sie einfach ein dunkleres und ein helleres Outfit mit. Umso lebendiger Ihr Thema, umso bunter Ihre Persönlichkeit, desto mehr Farbe ist möglich. Das Thema Buntheit auf der Bühne kann man nicht in zwei Sätzen erklären, das muss bei jedem Menschen genau analysiert werden. Bedenken Sie jedoch immer: Je bunter und auffälliger Ihr Outfit, desto mehr Aufmerksamkeit lenken Sie auf Ihr Äußeres und lenken von den Inhalten ab.

Das sollten Sie beachten:

• Verkleiden Sie sich nicht! Sie müssen sich wohl und sicher auf der Bühne fühlen.
• Wer ständig an seiner Kleidung zupft, wirkt unsicher. Deshalb muss Kleidung perfekt sitzen.
• Kleiden Sie sich Ihrem Alter entsprechend. Versuchen Sie nicht gezwungen jung zu kleiden. Stehen Sie zu Ihrem Alter und unterstreichen Sie Ihre damit einhergehende Lebenserfahrung mit Ihrer Kleidung.
• Wer sich auf der Bühne viel bewegt, sollte Kleidung tragen, die nicht zu sehr einengt.
• Wer zum Anzug Turnschuhe trägt, sollte das nötige Image dafür besitzen und die passende Persönlichkeit und das Auftreten dazu. Sonst wirkt es zu bemüht und kommt nicht gut an.
• Haben Sie immer ein zweites Outfit dabei, sollte mit dem ersten etwas nicht in Ordnung sein. So können Sie es auch vor Ort noch wechseln.
• Fragen Sie sich auch, wo das Mikrophon befestigt wird. Ein Kleid ist meist eher ungünstig.
• Wer ein Hemd trägt, sollte immer auf Langarm setzen.
• Tragen Sie geputzte Schuhe und lange Socken – Kniestrümpfe wären perfekt!
• Fragen Sie kurz vor Ihrem Auftritt ihren Sitznachbarn, ob alles passt.
• Entnehmen Sie alles aus den Sakkotaschen, damit sich nichts beult und achten Sie darauf, dass die Lasche der Sakkotasche nicht halb drinnen und halb draußen ist.
• Auf dem Weg zur Bühne haben Sie den Sakkoknopf geschlossen. Diesen können Sie dann wieder öffnen, wenn Sie sich viel bewegen.
• Vermeiden Sie es, auf dem Weg zur Bühne Ihre Kleidung in Ordnung zu bringen.

 

Ich wünsche Ihnen, dass Ihre Professionalität und Ihre Persönlichkeit mit Ihrem Outfit sichtbar wird und Sie Ihr Publikum vom ersten Moment an überzeugen.

Denn: „Wer meinem Auge nicht gefällt, dem leihe ich auch nicht mein Ohr“ – Unbekannter Verfasser

Beitragsfoto: Lasse Kristensen/stock.adobe.com


Outfit ist Teil Ihrer Bühnenperformance von Elisabeth MotschElisabeth Motsch ist Stil- und Image-Expertin und berät Wirtschaftsunternehmen in Dresscode und Auftritt der Mitarbeiter, passend zur Position und Marke. Ihr fundiertes Know-how verbindet Elisabeth Motsch mit typisch österreichischem Charme und weiblichem Fingerspitzengefühl. Sie gibt ihr Wissen auch als Lehrbeauftrage an der Berliner Steinbeis-Hochschule weiter und ist mehrfache Buchautorin.

www.motsch.at

 

Buchtipp: Motsch, Elisabeth/Berndt, Jon Christoph: Profil mit Stil: Persönlichkeit als Marke – Kleidung als Statement. Wien 2015.

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